Mit was beschäftigt sich Ihr Kind in seiner Freizeit? Hängt es zu viel an seinem Handy, PC, MP3-Player oder Spielkonsole? Die Natur wird kaum erkundet? Es gibt eine Alternative: Schicken Sie Ihr Kind ins Zeltlager. Da lernt Ihr Kind neue Freunde lernen, genießt die Natur und entwickelt seine Selbstständigkeit. Ein unvergessliches Erlebnis, das es auch im nächsten Jahr bestimmt wiederholen will!

Voraussetzungen für die Teilnahme am Zeltlager

Zeltlager-Lagerfeuer
©shutterstock – Olesia Bilkei

Bevor Sie Ihr Kind ins Zeltlager schicken, teilen Sie der Lagerleitung mit, ob das Kind gesundheitlich eingeschränkt und ob sie auf etwas Rücksicht nehmen müssen (kann es schwimmen? Ist das Kind Vegetarier? Nimmt es Medikamente?).

In der Regel füllen Sie einen Gesundheitsbogen aus, in dem Sie alle relevanten Fragen beantworten. Diesen erhalten Eltern vom Veranstalter.

Wenn Ihr Kind eine Allergie hat oder täglich Medikamente nehmen muss, ist das grundsätzlich kein Problem. Besprechen Sie vorher mit dem Leiter, ob der Lageraufenthalt Ihrem Kind zumutbar ist. Eine Impfung ist grundsätzlich nicht notwendig. Da aber Zeckengefahr besteht, wäre eine FSME-Impfung sinnvoll.

Zeltlager für Kinder – Ziele und Programm

Die meisten Zeltlager finden als Ferienlager für Kinder in den Sommerferien, manchmal an Pfingsten statt. Die Lager dauern zwischen einer und drei Wochen. Es nehmen Mädchen und Jungen in verschiedenen Altersgruppen teil, zum Beispiel 7- bis 11-jährige oder 12- bis 15-jährige.

Die Gesamtanzahl der Teilnehmer ist von Lager zu Lager unterschiedlich, es nehmen zwischen 30 und 80 Kinder an einem Zeltlager teil. Je nach Veranstalter werden sie Vorort oder vor der Abreise in kleinere Gruppen aufgeteilt, die ein bis zwei Gruppenleiter betreuen.

1. Welche Ziele verfolgt ein Zeltlager?

Ein Zeltlager kann verschiedene Ziele verfolgen:

  • Natur erleben
  • Gemeinschaft erfahren
  • ein bestimmtes Thema näher bringen (z. B. ein Zeltlager mit religiösem oder politischem Hintergrund)
  • soziale Kompetenzen vermitteln
  • Selbständigkeit fördern, ohne Eltern und mit einfachsten Mitteln (ohne Technik) auskommen
  • Eigenverantwortung

Die Zeltlager können ein bestimmtes Thema haben und eine bestimmte Epoche darstellen, zum Beispiel Indianer, Ritter, Piraten usw. Dekorationen, Kleidung und Essen werden dabei passend zum gewählten Thema gestaltet.

2. Programm im Zeltlager

Damit im Zeltlager keine Langeweile aufkommt, bieten die Betreuer ein abwechslungsreiches Programm. Es werden unter Anderem folgende Aktivitäten angeboten:

  • Schwimmen
  • Schnitzeljagd
  • Tages- und Nachtwanderungen
  • Bastelaktionen
  • Disco
  • Kinoabende
  • Ausflüge zu nahgelegenen Sehenswürdigkeiten
  • Ballspiele
  • Kennenlernspiele

Zum Programmhighlight einiger Ferienlager gehören Überfälle. Ziel eines Überfalls ist, die Fahne einer Gruppe zu klauen. Dabei gehen die Beteiligten nach strikt vorgegeben Regeln vor. Zum Beispiel sind sie nur zu bestimmten Uhrzeiten erlaubt, man darf keine Gewalt anwenden oder sonstigen Schaden hinzufügen. Wer dabei erwischt wird, muss aufgeben.

Bevor Gruppen den Raub der Fahne planen, sollten sie genau die Regeln durchlesen und das Vorhaben ggf. anmelden.

Auch wenn das Programm im Zeltlager gut gefüllt ist, haben meist die Kinder genug Freizeit, die sie frei gestalten können.

Integrative Zeltlager

Integrative Zeltlager werden für behinderte und nicht-behinderte Mädchen und Jungen organisiert. Die gesunden Kinder erfahren von täglichen Problemen und Schwierigkeiten der behinderten Kinder und die behinderten Kinder können sich so besser integrieren.

Das Programm ist für beide Zielgruppen so konzipiert, dass alle Teilnehmer gleichermaßen sich daran beteiligen können. Durch gemeinsame Workshops, Spiele und andere Aktivitäten lernen sie miteinander respektvoll umzugehen und dies nicht nur im Zeltlager umzusetzen, sondern auch in der heimischen Umgebung.

Aufbau und Organisation eines Zeltlagers

Zeltlager-Aufbau
©shutterstock – shutter_o

Lagerfeuer

Das Lagerfeuer bildet die Mitte eines jeden Zeltlagers. Es dient als Treffpunkt, die Lagerbewohner versammeln sich abends um das Feuer zum Gitarrenspiel und gemeinsamen Liedersingen. Für ein sicheres Lagerfeuer sind beim Aufbau einige gesetzliche Vorschriften zu beachten.

Das zuständige Landratsamt muss der Feuerstelle zustimmen und eine Genehmigung vergeben. Für die Genehmigung müssen einige Voraussetzungen erfüllt werden, wie das Vorhandensein von Feuerlöschern, genügend Abstand zwischen Wald und dem Feuer etc. Die genauen Vorschriften finden Sie im Waldgesetz des jeweiligen Bundeslandes, wie zum Beispiel im Landeswaldgesetz für Baden-Württemberg.

Bei der Wahl des Platzes ist darauf zu achten, dass der Boden feucht und nicht steinig ist. Der Platz muss auch gut vom Wind geschützt sein. Der Durchmesser des Lagerfeuers soll zu der Anzahl der Teilnehmer passen.

Um das Ausbreiten des Feuers zu verhindern, legt man Steine herum. Nach dem Verlassen des Lagers, muss das Feuer ausreichend gelöscht und die Feuerstelle beseitigt werden. Über das Brennholz und verschiedene Feuerarten lesen Sie in der Feuerkunde für Pfadfinder nach.

Sanitäre Anlagen

Einige Lager verfügen über fest installierte sanitäre Anlagen mit Warmwasser und Strom. Andere Zeltlager lösen das Problem auf unterschiedliche Weise. Wasserkanister zum morgendlichen Waschen, Ausflüge zu nahegelegenen Schwimmbädern, wo Kinder warm duschen können oder Waschstellen mit leichtem Zugang zum Wasser und Ablagemöglichkeiten am Fluss sind einige der Lösungsansätze. An einigen Standorten stehen Toilettenkabinen oder Chemo-Klos zur Verfügung.

Geeignete Orte für Zeltlager

Die Orte, an denen Zeltlager aufgebaut werden, werden sorgfältig ausgesucht und müssen einigen Anforderungen entsprechen. In der Regel ist es eine große Wiese in der Nähe eines Waldes und Bachs oder Flusses befinden.

Die Nähe zum Wald ist von Vorteil, um genug Brennholz zu sammeln. Ein nahgelegener Fluss oder Bach eignet sich nicht nur für verschiedene Freizeitaktivitäten, sondern auch zum Abkühlen der Lebensmittel und zum Waschen. Die Wiese muss der Gruppengröße und der Anzahl der Zelte entsprechen. Die Bodenbeschaffenheit ist sehr wichtig, da bei starkem Regen Überflutungsgefahr besteht.

Essen und Getränke

In jedem Zeltlager sorgt ein Küchenteam für die Verpflegung. Die Köche achten auf gesunde und ausgewogene Ernährung. Bei einigen Aufgaben, wie Eindecken, Kochen, Spülen unterstützen es die Lagerteilnehmer.

Dienste und Ordnung

Für das Leben im Zeltlager gelten bestimmte Regeln und Anordnungen. Es gibt einen strukturierten Tagesablauf. Die Mädchen und Jungen übernehmen anfallende Dienste (Feuerdienst, Spüldienst, Reinigung der Toiletten, Holzdienst).

Die Betreuer achten auf Sauberkeit und Ordnung. Es gelten auch einige Verbote, wie Alkoholverbot, das betreten der anderen Zelte ist in manchen Lagern auch untersagt.

Gruppenleiter und Mitarbeiter

Die meisten Mitarbeiter sind Freiwillige, die sich im Zeltlager ehrenamtlich engagieren. Die Mädchen und Jungen werden von Schülern, Studenten und Pädagogen, die in der Ausbildung sind oder sie bereits abgeschlossen haben, betreut.

Es sind immer Mitarbeiter dabei, die ausreichende medizinische Kenntnisse besitzen, einen Erste-Hilfe-Schein und eine Ausbildung als Rettungsschwimmer haben. Die Gruppenleiter werden entsprechend geschult und haben selbst viel Erfahrung mit Ferienfreizeiten.

Kommunikation mit dem Zeltlager

Da elektronischen Geräte in den meisten Ferienlagern verboten sind, können Sie mit Ihrem Kind nicht über das Handy kommunizieren. Die Lagerleiter verfügen über Mobiltelefone und so können Sie Ihr Kind im Notfall erreichen.

Falls mit Ihrem Kind irgendwelche Probleme auftreten, es sich verletzt oder sonstige Fragen entstehen, setzen sich die Gruppenleiter mit Ihnen in Verbindung. Einige Zeltlager bieten die Möglichkeit auf ihrem Gästebuch im Internet eine Nachricht zu hinterlassen, die dann dem Kind weitergegeben wird.

In manchen Lagern sind Besuche an einem bestimmten Wochentag erlaubt. Viele Veranstalter raten von Besuchen ab, damit pädagogische Prozesse nicht gestört werden.

Packliste: Was muss ich einpacken? Auf was ist zu verzichten?

Zeltlager-Packliste
©shutterstock – S_Photo

In der Regel finden Sie die Packliste, mit allem, was Ihr Kind während des Lagers braucht, auf der Internetseite des jeweiligen Zeltlagers. Orientieren Sie sich an die folgende Liste:

  • Schlafsack
  • Luftmatratze
  • Isomatte
  • Kissen
  • Waschzeug
  • Tücher und Handtücher
  • Tasche (kein Koffer)
  • Rucksack
  • Taschenlampe
  • Taschenmesser
  • Plastikgeschirr und Besteck
  • Schreibzeug und Briefmarken

Nehmen Sie lieber keine neuen Sachen für das Zeltlager mit. Am besten eignet sich einfach Kleidung, die die Bewegung nicht einschränkt und auch beschädigt werden kann.

  • feste und stabile Wander- oder Turnschuhe
  • genügend T-Shirts
  • kurze und lange Hose
  • warme Pullis
  • Kopfbedeckung
  • Regenjacke
  • Gummistiefel
  • Badeschlappen
  • Badehose/ Badeanzug
  • ausreichend Unterwäsche
  • weißes T-Shirt zum Bemalen
  • Piercing und sonstiger Körperschmuck ist am besten daheim zu lassen.

Folgende Dokumente sollten Eltern ihrem Kind mitgeben:

  • Krankenversichertenkarte
  • Impfausweis (nur in Kopie, kein Original)
  • Personalausweis (wird manchmal verlangt mitzunehmen)
  • Auslandskrankenschein (bei Zeltlagern im Ausland)

Taschengeld wird in der Regel nicht für ein Zeltlager gebraucht, da Ihr Kind mit allem Nötigen versorgt wird und Busfahrten, Schwimmbadeintritt im Preis inbegriffen sind. An manchen Orten gibt es Kiosks, wo es Süßigkeiten, Getränke oder Briefmarken kaufen kann.

Taschengeld in Höhe von 20 bis 30 Euro reicht dafür aus. Auf Wunsch wird das Geld zusammen mit den Dokumenten von dem Gruppen- oder Lagerleiter aufbewahrt und am Ende des Lages wieder zurückgegeben.

Auf MP3-Player, Gameboys, Handys und sonstige elektronische Geräte ist zu verzichten. Falls Sie etwas extrem Wichtiges vergessen haben, können Sie diese Sachen im Notfall nachschicken.

Lasse Sie Ihr Kind die Sachen selbst packen, oder packen Sie die Tasche gemeinsam. Es lohnt sich die Sachen namentlich zu kennzeichnen, damit im Lager nichts verwechselt wird und die Sachen ihren Besitzer leicht wieder finden.

Wer organisiert die Zeltlager?

Zeltlager werden meist als Ferienlager von Trägern der Jugendarbeit oder Jugendverbänden organisiert. Das können politische oder kirchliche Organisationen sein, wie beispielsweise die Kolping Jugend, sozialistische Jugend Deutschlands – die Falken, Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Verbände der Pfandfinder (Ring der deutschen Pfadfinderverbände). Die Freiwillige Feuerwehr und Deutsches Rotes Kreuz organisieren Zeltlager für Ihre Mitglieder.

Was kostet es?

Die Teilnahmegebühren variieren zwischen verschiedenen Zeltlagern. So kann die Teilnahme am Ferienlager zwischen 55 und 400 Euro kosten. Es gibt die Möglichkeit, für die Finanzierung eines Zeltlagers einen Zuschuss zu beantragen.

Für Eltern mit geringen Einkommen gibt es Sozialzuschuss. Außerdem bieten einige Zeltlager eine Geschwisterermäßigung, falls mehrere Geschwister an dem Lager teilnehmen.

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