Wollen Sie fliegen lernen? Lieben Sie den Sprung ins Ungewisse? Sind Sie süchtig nach Adrenalin und suchen ständig den nächsten Kick? Oder sind Sie einfach neugierig und wollen über Ihren eigenen Schatten springen?

Ganz gleich, was in Ihnen die Abenteuerlust geweckt hat, bei einem Tandemsprung geht es der Langeweile an den Kragen. Alles, was Sie über das luftige Hobby in mehreren tausend Metern Höhe wissen müssen.

Voraussetzungen für einen Tandemsprung

Vor dem Tandemsprung ist meist nur eine kurze Einweisung nötig. Sie sind der Passagier und springen gemeinsam mit einem Profi –  dem Sprungpartner. Er ist ein ausgebildeter Fallschirmspringer, der von Ihnen keine speziellen Fähigkeiten verlangt. Auch ein ärztliches Attest müssen Sie nicht vorlegen.

In vielen Fällen dürfen Teilnehmer eines Tandemsprungs aber nicht mehr als 90 bis 100 Kilogramm auf die Waage bringen. Nach unten gibt es dabei kaum Begrenzung. Teilweise können bereits Zehnjährige an den Sprüngen teilnehmen – natürlich nur mit Genehmigung der Eltern. Die Mindestgröße der meisten Anbieter liegt bei 1,40m – für viele Zehnjährige heute kein Problem mehr.

Gesundheitliche Gegenanzeigen für einen Fallschirmsprung

  • Etwaige Fehler des Passagiers kann der Tandempilot problemlos korrigieren. Trotzdem klärt Ihre Flugschule Sie bei der Einweisung vor dem Tandemsprung auf mögliche Fehlerquellen und Risiken auf.
  • Zwar brauchen Sie, wie erwähnt, kein ärztliches Attest. Als Passagier bestätigen Sie allerdings durch Ihre Unterschrift des Beförderungsvertrags, dass Sie unter keinen schweren gesundheitlichen Beschwerden leiden. Eine zusätzliche hausärztliche Untersuchung wird empfohlen.
  • Wenn Sie mit einer Erkrankung (zum Beispiel der Grippe) auf dem Flugplatz erscheinen, wird Ihnen in aller Regel von einem Sprung abraten.
  • Auf keinen Fall springen sollten Asthma-Patienten.
  • Auch, wer an akuten Bandscheibenvorfällen, Herzbeschwerden oder Diabetes leidet, darf nicht springen.
  • Ebenso dürfen Schwangere nicht mitfliegen.

Dürfen Brillenträger am Tandemsprung teilnehmen?

Ja, dürfen sie. Am besten verwenden Brillenträger aber eine Sportbrille oder Kontaktlinsen, um sicherzustellen, dass Sie diese nicht verlieren. Bei einer geringen Sehschwäche können Sie die Brille natürlich auch abnehmen und im Etui in der Tasche verstauen.

So verläuft ein Tandemsprung ab

  • Auf dem Flugplatz unterschreiben die Teilnehmer zunächst den Beförderungsvertrag. Anschließend folgt die Einweisung. Im Theorieunterricht oder mit einem Lehrvideo demonstrieren Veranstalter den Ablauf des Tandemsprungs. Der zeitliche Verlauf wird mit dem Tandempiloten genau besprochen. Der Sprunganzug mit Sicherheitsgurt und die Schutzausrüstung (Helm) werden den Teilnehmern fachkundig angelegt. Mit Trockenübungen auf dem Boden bekommen Sie schließlich eine praktische Einweisung, bevor Sie an Bord des Flugzeugs gehen.
  • Das Flugzeug steigt bis auf eine Höhe von etwa 4000 Metern (manche Anbieter bieten auch Sprünge aus niedrigeren Höhen mit kürzerer Freiflugzeit). Während des Steigfluges besprechen Tandempilot und Teilnehmer noch einmal alle wichtigen Punkte. Das Gurtzeug von Tandempilot und Passagier wird miteinander verbunden. Ist die richtige Absprunghöhe erreicht, öffnet der Sprungleiter die Rampe des Flugzeugs. In dieser Höher ist es nun etwa 20-25 Grad kälter als auf dem Boden. Alle legen die Hände aufs Gurtzeug, strecken den Rücken durch und legen den Kopf in den Nacken. Es ertönt das Kommando „Ready set go!“ – Sie starten, Sie fallen.
  • Etwa eine Minute lang befindet man sich im freien Fall und erreicht dabei eine Geschwindigkeit von annähernd 200 Stundenkilometern. Man spürt den starken Wind und fühlt sich, als läge man auf einem Luftpolster. Am besten atmen Sie jetzt durch die Nase und halten den Mund geschlossen.
  • In 1500 Metern Höhe öffnet der Tandempilot den Fallschirm. Nun schweben Sie fünf bis zehn Minuten lang durch die Luft. Zeit, die Aussicht zu genießen. Fast jeder berichtet nach dem Flug außerdem, wie angenehm das sanfte Schweben auf dem Weg nach unten ist.
  • Kurz vor der Landung heißt es dann „Beine hoch“ – man nimmt die Landehaltung ein und kehrt zurück auf festen Grund. Viele Anbieter stellen den Teilnehmern nach dem Tandemsprung noch eine Urkunde aus – damit später auch niemand behaupten kann, es hätte an Mut gefehlt!

Ich will springen, leide aber unter Höhenangst – was nun?

Auch Teilnehmer, die unter Höhenangst leiden, können an einem Tandemsprung teilnehmen. Die Höhenangst tritt im Normalfall nur dann auf, wenn man in großer Höhe steht oder sich bewegt. Der Körpers ruft eine natürliche Schutzreaktion auf, berechnet die Höhe zum Boden und schätzt die Verletzungsgefahr ein.

Sobald man sich allerdings aus dem Flieger herausbewegt hat und sich im freien Fall befindet, weicht die Angst. Selbst erfahrene Tandempiloten leiden unter Höhenangst, springen aber im Jahr oft mehrere hundert Male, ohne dabei in Panik zu geraten.

Das richtige Wetter für einen Tandemsprung

Bei starkem Wind, Nebel oder einer geschlossenen Wolkendecke wird auf keinen Fall gesprungen. Auch bei Regen oder einem angekündigten Gewitter sind Tandemsprünge ausgeschlossen. Ein guter Veranstalter wird Teilnehmer aber rechtzeitig darüber informieren, wenn der Sprung mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht stattfinden kann.

Ein Ausweichtermin muss her. Wenn sich Wetterprognosen innerhalb eines Tages als falsch herausstellen, ist das umso ärgerlicher. Auch, wenn sich erst am Tag des Tandemsprungs die Wetterlage als zu riskant zeigt, können Ersatztermine vereinbart werden. Die Anfahrtskosten werden allerdings meist nicht ersetzt.

Fallschirmspringen: Nur wenn es warm ist?

Nix da! Auch im Winter sind Tandemsprünge möglich. Oft herrschen dann sogar besonders klare Verhältnisse. Allerdings sollten sich Teilnehmer im Winter auf große Kälte in der Höhe einstellen – Handschuhe und warme Kleidung sind unbedingt angesagt.

Ausrüstung für den Tandemsprung

Tandemsprung-Ausrüstung
©shutterstock – Mauricio Graiki

Das Tandemgurtzeug ist speziell für zwei Personen ausgelegt. Der Tandempilot trägt einen Container mit Haupt- und Reservefallschirm. Es handelt sich um Flächenfallschirme, die voll steuerbar sind. Der Passagier hat einen eigenen Gurt, der mit stabilen Haken am Hauptgurtzeug eingehängt wird.

Natürlich sind im Gespann auch Sicherheitsmechanismen eingebaut. Wenn der Tandemspringer zum Beispiel ohnmächtig werden würde, sorgt ein Öffnungsautomat dafür, dass sich der Fallschirm dennoch öffnet. Der Automat misst den Luftdruck, der immer höher wird, je näher man der Erde kommt. Sobald die Mindestöffnungshöhe unterschritten wird, löst sich der Mechanismus aus – und der Fallschirm öffnet sich.

Ein Kopfschutz gehört immer zur Ausrüstung sowohl für einen Tandemsprung als auch für generell für das Fallschirmspringen. Meist wird ein Helm oder eine gepolsterte Ledermütze verwendet. Daran können Sie auch die erwähnte Helmkamera zur Aufnahme Ihres Sprungs befestigen. Die Kameras gibt es bereits ab 50 Euro.

Kleidung der Teilnehmer

Passagiere brauchen für ihren Tandemsprung keine spezielle Ausrüstung. Tandempiloten empfehlen bequeme Sportkleidung, zum Beispiel einen Trainingsanzug und Sportschuhe. Das gesamte Equipment für den Sprung stellt der Veranstalter. Wer sein Erlebnis festhalten möchte, kann natürlich eine Kamera oder einen Camcorder mitnehmen.

Tipp: Besonders praktisch sind Kameras, die am Helm befestigt werden können. Damit haben Sie die Hände frei und können den unvergesslichen Moment immer wieder aus Ihrer Sicht wiederholen.

Sicherheit und Versicherung beim Tandemsprung

Sicherheit bietet Ihnen vor allem die Erfahrung des Tandempiloten, aber auch die Schutzkleidung, das Gurtzeug und der Öffnungsmechanismus des Fallschirms. Teilnehmer eines Tandemsprungs sind durch ihre jeweilige Krankenversicherung und Unfallversicherung abgesichert. Trotzdem braucht der Anbieter eine Halterhaftpflichtversicherung und eine sogenannte Passagier-Haftpflichtversicherung.

Für Profis: Eine Fallschirmspringer-Unfallversicherung leistet bei Invalidität; im Todesfall gegenüber den Angehörigen. Es gibt auch eine spezielle Unfallversicherung für Tandem-Systeme.

Durchschnittliche Kosten und Gutscheine für einen Tandemsprung

Mit Gutscheinen können Sie bei vielen Anbietern sparen. Bei Yuu-Skydive in Itzehoe kostet der Sprung mit einem Geschenkgutschein beispielsweise 165 Euro statt 195 Euro. Teilnehmer, die bereits früher einen Sprung absolviert haben, bekommen bei den meisten Anbietern Vergünstigungen – Urkunde nicht vergessen!

Tipp: Wer „nur mal so“ im Flugzeug mitfliegen will, erhält dazu ebenfalls die Gelegenheit. Für einen Preis von 30-60 Euro machen die meisten Anbieter die Teilnahme als Passagier ohne Sprung möglich. Im durchschnittlichen Preis von 170 bis 200 Euro für einen Tandemsprung sind die Ausrüstung und sonstigen Unkosten wie Versicherungspauschalen bereits enthalten.

Extrakosten entstehen nur, wenn Sie zum Sprung noch einen Kameramann hinzubuchen und eine DVD oder Fotoserie des Abenteuers anfertigen lassen.