Sie schweben lautlos am Himmel, gleiten durch die Lüfte wie ein Vogel und können die Welt von oben sehen. Ein Aufwind nach dem nächsten lässt sie Ihre Geschwindigkeit erhöhen und steigert Ihre Flughöhe.

Sie halten Ausschau nach Quellwolken oder Raubvögeln, um das nächste Thermikgebiet auszumachen und lassen sich gleichzeitig von dem Gefühl des Gleitens überwältigen. In keinem anderen Flugzeug erleben Sie das Gefühl des Fliegens so intensiv wie in einem Segelflugzeug und verschmelzen mit der Luft.

Wie das Segelfliegen funktioniert und welche Möglichkeiten Sie haben, dieses einmalige Gefühl mitzuerleben, erfahren Sie im nachfolgenden Beitrag.

Das Segelflugzeug

Segelfliegen-Segelflugzeug
©shutterstock – Nadezda Murmakova

Segelflugzeuge sind Leistungssportgeräte. Sie wirken mit ihrem schlanken Rumpf und den schmalen Tragflächen leicht, elegant und filigran. Segelflugzeuge werden aus Kohlefaser- und Glasfaserverbundstoffen hergestellt und dürfen bis zu 850 Kilogramm wiegen.

  • Das Einziehfahrwerk gehört zur Grundausstattung, da Segelflugzeuge widerstandsarm gebaut sind.
  • Aus diesem Grund haben die Flügel eine hohe Spannweite und eine geringe Profiltiefe.
  • Bei ihrem Bau wird auf eine stabile Struktur geachtet und auf Leichtbau verzichtet.
  • Sie verfügen über eine hohe Wendigkeit und sind so konstruiert, dass Sie sie in wenigen Minuten in ihre Bestandteile (Flügel, Rumpf, Leitwerke) zerlegen können. Dies hat bei Notlandungen eine hohe Relevanz.
  • Die Cockpits sind mit modernster Technik ausgestattet. Sie verfügen über einen Höhenmesser, einen Variometer, ein Funkgerät und einen Fahrtmesser, um die Sicherheit des Piloten zu gewährleisten und die Thermik optimal ausnutzen zu können.

Die Vereine stellen die Segelflugzeuge zur Verfügung

Es gibt sowohl Einsitzer als auch Zweisitzer. Außerdem wird zwischen Gleitfliegern und Motorsegelfliegern unterschieden. Das Segelflugzeug fliegt, da die Tragflächen bei entsprechender Anströmung eine nach oben gerichtete Kraft erzeugen, die auch als Auftrieb bezeichnet wird.

Der Auftrieb setzt sich aus dem Sog an der Flügeloberseite und dem Druck an der Flügelunterseite zusammen. Ein Segelflugzeug benötigt keinen Wind zum Fliegen, aber eine gute Thermik. Beim Start wird es auf eine bestimmte Höhe gebracht. Die Flughöhe wird in Flugstrecke umgewandelt bis die Höhe verbraucht ist und es landen muss.

Durch thermische Aufwinde wird es wieder nach oben getragen und kann seinen leicht nach unten geneigten Flug auf der Suche nach einer weiteren thermischen Strömung fortsetzen.

Hangwind, Thermik, Wellenwind beim Segelfliegen

Der Hangwind

Wind, der in der Ebene horizontal weht, wird durch ein Hindernis nach oben gelenkt. Im aufsteigenden Teil dieses Windes kann ein Flugzeug sich nach oben tragen lassen. Diese Aufwinde können doppelt so hoch wie das Hindernis reichen.

Hangwinde treten auf, wenn ein Bergrücken quer zur Windrichtung steht. Sie sind die beständigste Energiequelle für längere Flüge. Alle Dauerrekorde, bevor sie verboten wurden, wurden im Hangwind erreicht.

Nachteile bestehen darin, dass sie nur in gebirgigen Gebieten vorhanden sind, die zu erreichende Höhe begrenzt ist und sie abhängig von Windrichtung und Windgeschwindigkeit sind.

Die Thermik

Wenn Blasen aus warmer Luft vom Erdboden aufsteigen und eine labile Luftschichtung besteht, entstehen thermische Aufwinde. Dieses Phänomen lässt sich physikalisch folgendermaßen erklären:

  • Die aufsteigenden Blasen dehnen sich in der Höhe durch die Abnahme des Luftdrucks immer mehr aus.
  • Dadurch nimmt die Temperatur der aufsteigenden Luft stetig ab.
  • Bei gleichbleibender Umgebungstemperatur in zunehmender Höhe hat die aufsteigende Luft in großer Höhe die gleiche Temperatur wie die Umgebung. Wenn dies passiert, ist die Steigbewegung beendet. Bei diesem Phänomen handelt es sich um eine stabile Schichtung. Diese ist ungeeignet für die Entstehung von Thermik, da der Aufwind nur wenige hundert Meter betragen würde.
  • Bei der labilen Schichtung wird die Umgebungstemperatur schneller kälter, als die aufsteigende Luft sich abkühlt. Dadurch bleibt diese wärmer als die Umgebungsluft und steigt immer weiter. Außerdem erfasst sie die umgebende Luft und wärmt diese auf. Dies trägt zum Aufwind bei, da aus der Blase ein Schlauch geworden ist, der Bart genannt wird.

Thermik entsteht, wenn kalte Luft in ein Gebiet einfließt in der der Boden vorher durch Sonne erwärmt wurde. Die thermischen Aufwinde führen solange zu einem Temperaturausgleich bis wieder eine stabile Schichtung vorhanden ist.

Aufwinde benötigen einen kleinen Auslöser wie zum Beispiel punktuelle Erwärmung durch Sonnenschein, durch ein Fabrikdach oder durch Unregelmäßigkeiten in der Landschaft wie ein kleiner Hügel oder eine Waldkante.

Über Wasserflächen und Wäldern entsteht tagsüber kaum Thermik. Das ideale thermische Wetter erkennen Sie daran, dass sich gerade Wolken bilden. Manchmal zeigen auch Greifvögel Aufwindzonen an.

Der Segelflieger versucht durch möglichst enge Kreise im Zentrum des Aufwindes zu bleiben. Wenn das obere Ende erreicht ist, wird mit hoher Geschwindigkeit in die geplante Richtung geflogen bis die gewonnene Höhe verbraucht ist.

Dieses Verfahren nennt sich Steilkreistechnik und stellt die wichtigste Variante dar, wenn es um Langstreckenflüge geht. Sie können so ein bis drei Meter pro Sekunde an Höhe gewinnen.

Der Wellenaufwind

Der Wellenaufwind tritt bei stabiler Luftschichtung über Bergketten, die quer zur Windrichtung liegen, auf. Es müssen dieselben Bedingungen wie beim Hangwind vorliegen. Durch den Resonanzeffekt wird die Nachschwingung des Windes verstärkt, wenn sich eine weitere Bergkette in dem Bereich des Nachschwingens befindet.

Die besten Steigmöglichkeiten bestehen also nicht bei der ersten Bergkette sondern erst bei der zweiten oder dritten. Das Vorhandensein von Bergen ist nicht zwingend erforderlich, da auch andere Erscheinungen in der Atmosphäre diese Wellen hervorrufen können.

Steiggeschwindigkeiten von mehr als 15 Meter pro Sekunde können erreicht werden. Dies ist  sonst nur in Gewittern möglich. Wenn Sie in extreme Höhen aufsteigen wollen, bedarf dies einer guten Vorbereitung. Bis 8000 Meter reichen eine Sauerstoffanlage und warme Kleidung aus.

Wie funktioniert das Starten und Landen eines Segelflugzeugs?

Segelfliegen-Starten
©shutterstock – Nadezda Murmakova

Da ein Segelflugzeug nicht durch einen Motor angetrieben wird, stellt sich die Frage, wie es überhaupt in die Luft kommt. Das Flugzeug ist beim Starten auf fremde Hilfe angewiesen. Dabei bieten sich verschiedene Möglichkeiten.

Windenstart

Bei dieser Startmöglichkeit hilft ein Windenaufzug dem Flugzeug in die Luft. Der Start ist mehr oder weniger vergleichbar mit einer Steinschleuder: Das Flugzeug wird mit Hilfe einer Seilwinde in die Luft gezogen. Dabei wird es auf etwa 90 bis 130 Kilometer pro Stunde beschleunigt und erreicht seine Startgeschwindigkeit etwa nach 20 bis 30 Metern.

Der Pilot zieht das Flugzeug nach oben in den Steigflug und kurz vor dem Überfliegen der Winde klinkt sich das Seil automatisch aus. Dann wickelt es sich automatisch bis auf die letzten Meter vollständig auf die Seiltrommel auf.

Für den nächsten Start wird das Seilende von dem Rückholfahrzeug zurückgeholt. Der Windenstart ist vor allem in der Ausbildung beliebt, da er preisgünstig ist und eine rasche Startfolge ermöglicht. Der Nachteil besteht in der begrenzten Schlepphöhe und dem hohen Personalaufwand.

Flugzeugschlepp

Bei dieser Startvariante wird das Segelflugzeug von einem Motorflugzeug in die Höhe gezogen. Der Vorteil gegenüber dem Windenschlepp liegt darin, dass der Ausklink-Ort genauso wie die gewünschte Höhe frei gewählt werden kann. Außerdem kann das Flugzeug in eine thermetisch bessere Gegend geschleppt werden.

Der Flugzeugschlepp ist mit höheren Kosten verbunden, dafür sind aber weniger bis keine Helfer nötig, abgesehen von dem Schlepppiloten. Für Thermik-, Strecken- und Kunstflüge ist diese Methode ideal, da eine ausreichend Höhe erreicht werden kann.

Eigenstart

Segelflugzeuge mit einem Motor und einem ausklappbaren Propeller im Rumpf können ohne Hilfsmittel starten und dürfen mit normaler Segelfluglizenz geflogen werden. In dieser muss der Start mit eingebautem Motor eingetragen sein.

Gummiseilstart

Wegen mangelnder Alternativen war dies früher die übliche Startmethode. Das Verfahren funktioniert nur an einem Hang. Das Flugzeug wird mit einem Gummizug geschleudert. Das dafür benötigte Gummi wird vorne und hinten am Segelflugzeug befestigt, nach hinten gezogen und nach einem bestimmten Kommando losgelassen.

Diese Methode funktioniert nur bei sehr leichten und alten Flugzeugen, die dafür ausgelegt sind. Für Hochleistungsflugzeuge hat sie keinen Wert mehr, wird aber weiterhin von Liebhabern genutzt.

Autoschlepp

Diese Methode ist heute nur noch in den USA und Großbritannien gebräuchlich. Dabei wird das Flugzeug von einem Auto oder LKW entweder direkt an einem Seil oder über eine Umlenkrolle nach vorne gezogen. Dadurch gewinnt das Flugzeug an Geschwindigkeit und hebt ab.

Fußstart

Der Fußstart ist nur bei leichten und dafür geeigneten Flugzeugen einsetzbar. Durch den offenen Rumpf oder einer Öffnungsklappe im Rumpfboden, kann der Pilot mit seinen Füßen den Boden erreichen. Diese Methode kann nur für den Start an Hängen eingesetzt werden. Es wird keine Hilfe zum Starten benötigt.

Rollstart

Der Rollstart ist eine sehr seltene und nur an hohen Orten einsetzbare Startart. Das Flugzeug wird dabei solange den Berg heruntergerollt bis es Abhebegeschwindigkeit erreicht hat.

Wenn der Start geschafft ist, kann der Pilot sein Können in der Luft beweisen. Doch die Landung ist mindestens genauso wichtig wie das Abheben. Es stellt den schwierigsten Teil am Fliegen dar und erfordert die ganze Konzentration des Piloten. Dieser setzt mit Energieüberschuss zur Landung an und fährt die Brems- und Wölbklappen aus, um das Flugzeug herunter zu bremsen.

Eine andere Möglichkeit, das Flugzeug abzubremsen, besteht im Seitengleitflug oder in einem Schirm. Durch diese Energieumwandlung können Segelflugzeuge sehr präzise am gewünschten Landepunkt aufsetzen.

Wenn nicht mehr genügend Aufwind vorhanden ist um zum Heimatflugplatz zurückzukehren oder einen anderen Flugplatz anzufliegen, müssen Sie eine Außenlandung durchführen. Wenn Sie notgelandet sind, können Sie danach nicht mehr starten. Deswegen müssen Sie Ihr Flugzeug auseinanderbauen, damit es via Transporter zurückgebracht werden kann.

Die Sicherheit beim Segelfliegen

Segelfliegen ist nicht gefährlicher als andere Flugsportarten. Jedes Segelflugzeug wird vor dem ersten Start an einem Flugtag überprüft und einmal im Jahr findet eine sehr umfangreiche Hauptuntersuchung statt. Sie tragen während des Fluges einen Fallschirm, der entweder mechanisch oder automatisch ausgelöst wird.

In Wolken hineinzufliegen ist aus Sicherheitsgründen verboten, da Sie beim hinausfliegen mit einem anderen Segelflieger zusammenstoßen könnten. Bei der Ausbildung werden Sie auf Notfälle vorbereitet und wissen, wie Sie diese verhindern oder mit ihnen umgehen.

Beim Landen setzen Sie mit erhöhter Geschwindigkeit auf, was ebenfalls Ihre Sicherheit erhöht, da Sie auftauchenden Hindernissen ausweichen können und bei Böen oder Luftwirbeln Ihr Flugzeug besser unter Kontrolle halten können.

Wer kann Segelfliegen?

Wenn Sie Interesse am Segelfliegen haben und es einfach mal ausprobieren wollen, sollten Sie bei einem erfahrenen Segelflieger mitfliegen.

Dazu müssen Sie folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Größe zwischen 1,30 bis 2,00 Meter
  • Gewicht zwischen 45 und 105 Kilo
  • Unter 18 Jahren nur mit schriftlicher Einverständniserklärung der Eltern
  • Psychische und physische Gesundheit
  • Keine Epilepsie

Um eine Ausbildung beginnen zu können, müssen Sie weit mehr Voraussetzungen erfüllen:

  • Mindestalter 14 Jahre bei Ausbildungsbeginn
  • Mindestalter 16 Jahre zum Erwerb der Lizenz
  • Körperliche und geistige Mindestanforderungen müssen erfüllt werden. Dies wird durch einen Fliegerarzt getestet.
  • Polizeiliches Führungszeugnis
  • Bei der Schulung im Verein müssen Sie Vereinsmitglied sein.

Gastflüge

Wer die Welt aus einem anderen Blickwinkel sehen und ins Segelfliegen reinschnuppern will, kann bei einem gelernten Segelflieger mitfliegen. Es besteht die Möglichkeit, im Segelflugzeug oder im Motorflieger mitzufliegen. Der Vorteil von Motorseglern besteht darin, dass Sie die Route selbst mitbestimmen können.

Außerdem können Flüge in relativ geringer Flughöhe durchgeführt werden, was zum Besichtigen und Fotografieren die ideale Flughöhe ist. Wenn Sie am intensiven Genießen des Fluges interessiert sind, sind Segelflugzeuge geeigneter. Die Durchführung ist vom Wetter abhängig.

Am meisten lohnt sich ein Segelflug bei guter Thermik. Ob dies gegeben ist, können Sie an dem Auftreten von Quellwolken erkennen. Motorsegelflüge finden außer bei Regen oder starkem Wind immer statt. Die Segelflugsaison geht von Anfang April bis Ende Oktober.

Sie sollten einen Hut und eine Sonnenbrille gegen die Sonneneinstrahlung bei sich führen. Wenn Ihnen Ihr erster Flug gefallen hat, können sie in einem Schnupperkurs erste eigene Flugerfahrungen sammeln und danach die Ausbildung im Segelfliegen beginnen.

Wie läuft die Ausbildung zum Segelflieger ab?

Segelfliegen-Ausbildung
©shutterstock – Nadezda Murmakova

Vor der Ausbildung wird empfohlen, einen vierwöchigen Schnupperkurs besuchen, um das Segelfliegen kennen zu lernen und auszuprobieren. Sie dürfen bereits zeitweise selbststeuern, da die Flugzeuge von beiden Plätzen aus gelenkt werden können.

Während des Schnupperkurses nehmen Sie an allen Vereinstätigkeiten teil. Dazu gehört auch das mithelfen bei der Bodencrew. Dies kann der Beginn einer regulären Flugausbildung sein, denn danach können Sie das Flugzeug schon ein bisschen fliegen und besser entscheiden, ob Sie Ihre bereits erworbenen Fähigkeiten noch vertiefen wollen.

Sie müssen für diesen Kurs kein Vereinsmitglied sein. Wenn Sie Ihre Ausbildung danach allerdings in einem Verein durchführen möchten, ist die Mitgliedschaft obligatorisch. Eine Alternative zur Ausbildung im Verein stellt die Ausbildung in einer kommerziellen Flugschule dar.

Inhalte der Ausbildung fürs Segelfliegen

Die Schulung in Vereinen ist weit verbreitet. Sie werden von ehrenamtlichen Fluglehrern durchgeführt und finden deswegen nur an den Wochenenden statt. Diese Art der Ausbildung ist sehr zeitaufwendig, da nur eine regelmäßige Teilnahme am Flugbetrieb das Fortschreiten der Ausbildung sichern kann.

Außerdem müssen Sie im Verein tätig werden und bei der Wartung der Flugzeuge und des Starts helfen. Die Ausbildung setzt sich aus einem praktischen und einem theoretischen Teil zusammen. Die Richtlinien  und Bestimmungen können Sie auf der Website des Deutschen Aero Clubs nachlesen.

Die praktische Ausbildung im Segelfliegen ist in vier Teile gegliedert, die jeweils mit einer Prüfung abgeschlossen werden:

1. Abschnitt:

Die Ausbildung beginnt in einem doppelsitzigen Flugzeug zusammen mit ihrem Fluglehrer. Dort lernen Sie das Starten, einfaches Fliegen und Landen. Sie benötigen etwa 40 bis 60 Starts und drei bis sechs Monaten um die erste Prüfung zu absolvieren.
A-Prüfung: Sie absolvieren Ihre ersten drei Alleinflüge.

2. Abschnitt:

In diesem Abschnitt vertiefen Sie diese Fertigkeiten und erweitern sie durch andere Flugmanöver oder durch das Auffinden von Aufwindfeldern. Sie fliegen jetzt die meiste Zeit im Alleinflug und sind mit ihrem Lehrer durch eine Funkverbindung verbunden.
B-Prüfung: Sie trainieren weitere Flugmanöver und das Kurbeln in der Thermik.

3. Abschnitt:

Nach weiteren Übungsflügen legen sie die letzte Prüfung vor der Luftfahrerschein-Prüfung ab. C-Prüfung: Sie verfeinern die erlernten Flugmanöver.

4.Abschnitt:

Sie haben jetzt alle Fertigkeiten erlangt, die Sie zum Steuern des Flugzeugs brauchen. Jetzt erlernen Sie die Fähigkeiten, die Sie für den Überlandflug benötigen wie zum Beispiel Navigationseinweisungen und Außenlandeübungen. Vor der praktischen Prüfung müssen Sie erst die theoretische bestanden haben.

Luftfahrerschein-Prüfung

Diese besteht aus drei Flügen, in denen die erlernten Fähigkeiten präsentiert werden. Bei einem dieser Flüge handelt es sich um einen Überlandflug von 50 Kilometern. Die Prüfung wird von einem Mitglied des Prüfungsrates abgenommen.

Der erforderliche Unterricht in den Prüfungsfächern Luftrecht, Technik, Aerodynamik, Meteorologie, Navigation, Verhalten in besonderen Fällen, menschliches Leistungsvermögen und Flugfunk findet hauptsächlich in den Wintermonaten statt.

Die theoretische Prüfung besteht aus etwa 200 Multiple-Choice-Fragen. Die Funk-Prüfung besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. In diesem wird der Sprechfunkverkehr bei einem Anflug auf einen Flughafen simuliert.

Der englische Teil erfolgt durch Übersetzen eines Textes von Deutsch ins Englische. Die Ausbildung dauert in der Regel zwei Jahre, abhängig von den Wetterbedingungen, der eigenen Begabung und dem persönlichen Engagement.

Kommerzielle Flugschulen

In Flugschulen haben Sie die Möglichkeit Ihre Fluglizenz innerhalb eines kurzen Zeitraums zu erwerben, da Sie in mehreren Wochen zusammenhängend ausgebildet werden. Nach bereits sechs Wochen können Sie die Prüfung meistern. Dies wird durch geschlossene, durchorganisierte Lehrgänge und täglichen Flugbetrieb ermöglicht.

Aufgrund der Organisation werden Ihnen zehn Starts pro Tag ermöglicht. Bei der Schulung im Verein können Pausen von bis zu drei Wochen auftreten, was meistens durch schlechtes Wetter bedingt ist. Die Ausbildung in der Flugschule ist zwar effektiver, allerdings auch um einiges teurer als im Verein.

Welche Kosten kommen auf Sie zu?

Segelfliegen ist nicht so teuer wie die meisten denken. Wenn Sie einfach mal mitfliegen wollen, bezahlen sie je nach Verein für zehn Minuten zwischen 15 und 25 Euro. Jede weitere Minute kostet zwischen 50 Cent und einem Euro.

Manche Piloten nehmen auf Nachfrage Passagiere auch kostenlos mit. Wenn Sie sich für einen Schnupperlehrgang entschieden haben, bezahlen Sie keine Mitgliedsgebühren und können zu den normalen Startgebühren starten, die zwischen 3,50 und sieben Euro liegen.

Die Grundgebühr für einen Schnupperkurs liegt ungefähr bei 85 Euro für Erwachsene und 70 Euro für Jugendliche.

Bei der Ausbildung kommen zu den laufenden Kosten auch noch einmalige Zahlungen hinzu.

  • Einmalige Beteiligung am Versicherungsfond: 75 Euro
  • Prüfungsgebühr Theorie und Praxis: circa 100 Euro
  • BZF Prüfungsgebühr: circa 80 Euro
  • Medizinisches Flugtauglichkeitszeugnis: circa 120 Euro
  • Erste Hilfe Kurs „Sofortmaßnahmen am Unfallort“: circa 20 Euro
  • Polizeiliches Führungszeugnis: circa 15 Euro
  • Auszug vom Kraftfahrtamt: circa 20 Euro
  • Lehrmaterial: circa 50 Euro
  • Gesamtsumme: circa 610 Euro

Die regelmäßigen Kosten sind stark abhängig vom jeweiligen Verein und schwanken zwischen 1000 und 2000 Euro. Sie setzen sich aus den Mitgliedsbeiträgen und den Schleppgebühren zusammen. Wer in einem Vereine seine Ausbildung macht, der eine Winde zum Windenstart zur Verfügung stellt, spart zusätzlich Geld.

Der Windenstart ist nämlich um die Hälfte billiger als der Schleppstart. Manche Vereine bieten Sonderpreise für Studenten, Schüler und Auszubildende an, die das Fliegen sehr günstig machen. Die Ausbildung erfolgt ehrenamtlich und kostet deswegen nichts. Die Mitgliedsbeiträge werden mit der Arbeit verrechnet, die Sie für den Verein ableisten.

Die Ausbildungskosten in einer Segelflugschule betragen circa 2600 Euro für Jugendliche und 3400 Euro für Erwachsene. Darin sind die Prüfungsgebühren und Arztkosten bereits enthalten.

Wettbewerbssegelflug

Segelflieger messen sich entweder in Wettbewerben im Streckensegelflug oder im Kunstflug. Es gibt regionale Wettbewerbe, Landes-, Europa- und Weltmeisterschaften. Alle Segelflieger treten in ihrer eigenen Klasse an. Diese richtet sich nach der Spannweite und des Gewichts des Flugzeuges.

Wettbewerbe im Streckensegelflug

Beim Streckensegelflug geht es darum, eine gewisse Strecke in einer möglichst kurzen Zeit zurückzulegen. Diese Art des Wettbewerbs erfreut sich unter Segelfliegern großer Beliebtheit und wird viel öfter betrieben als der Kunstflug.

Die einfachste Form nennt sich „Racing Task“. Dabei müssen Sie zwei oder mehrere Wendepunkte in einer bestimmten Reihenfolge anfliegen, die Strecke zwischen den Wendepunkten dürfen Sie selbst wählen. Der Abflugzeitpunkt wird Ihnen innerhalb eines Zeitfensters freigestellt.

Gemessen und dann später bewertet wird nur die tatsächliche Dauer des Fluges zwischen Start- und Ziellinie. Dadurch sind taktische Überlegungen, Wetterbeobachtungen, sowie Einschätzungen der Wetterentwicklung wichtige Bestandteile des Wettbewerbs. Ihre Wegdaten werden per GPS aufgezeichnet, damit festgestellt werden kann ob alle Wendepunkte umrundet wurden.

Es gibt auch noch andere Formen und Aufgaben, doch es geht immer darum, eine möglichst hohe Durchschnittsgeschwindigkeit zu erreichen. Die jeweilige Tagesaufgabe wird von der Wettbewerbsleitung am Morgen aufgrund der Wetterbedingungen bestimmt.

Um Zufallsergebnisse so gut wie möglich ausschließen zu können, erstreckt sich der Wettbewerb über mehrere Tage. Die Dauer reicht von einem Wochenende für regionale Meisterschaften bis zu zwei Wochen für Weltmeisterschaften.

Der deutsche Aero Club veranstaltet jährlich die dezentrale Deutsche Meisterschaft im Streckensegelflug. Dezentral bedeutet, dass der Wettbewerb auf einer Online-Plattform ausgetragen wird. Dabei wird eine Strecke um bis zu vier frei gewählte Wendepunkte gewertet. Jeder Kilometer zählt einen Punkt.

Jedem Flugzeugtyp ist ein Index zugeordnet, der in die Berechnung der endgültigen Punktzahl mit eingeht. Im Zwei-Jahres-Rhythmus finden die zentralen Deutschen Meisterschaften in verschiedenen Wettbewerbsklassen statt. Dazu werden Frauen- und Juniorenmeisterschaften ausgerichtet. Außerdem findet die Qualifikation zu den internationalen Meisterschaften statt.

2001 wurde die Segelflug-Bundesliga ins Leben gerufen. Dabei handelt es sich ebenfalls um einen dezentralen Wettbewerb. Die Piloten fliegen deutschlandweit in circa 19-20 Wochenrunden um die Punkte.

Die drei schnellsten Flüge eines Vereins werden gewertet, dabei wird die erreichte Geschwindigkeit in einem Zeitfenster von zweieinhalb Stunden berechnet. Gewertet wird in der 1. Bundesliga mit circa 30 Vereinen, in der 2.Bundesliga mit circa 30 Vereinen, in der Qualifikations-Liga mit circa 500 Vereinen und in der jeweiligen Landesliga der 16 Bundesländer.

Wettbewerbe im Kunstflug

Der Kunstflug ist eine sinnvolle Ergänzung oder Alternative zum Streckenflug. Sie lernen Ihr Flugzeug in jeder Fluglage zu beherrschen und haben die Möglichkeit auch an thermiklosen Tagen Spaß beim Fliegen zu haben.

Bei den Wettbewerben geht es darum, ein vorgegebenes Programm in einem Würfel von 1000 m Kartenlänge so präzise und energiesparend wie möglich zu fliegen. Dieser ist um 400 Meter oder bei fortgeschrittenen Klassen um 200 Meter nach oben verschoben.

Der Wettbewerb besteht aus mehreren Durchgängen: Bekannte Pflicht, Kür und unbekannte Pflichten, die erst kurz vor dem Durchgang bekannt gegeben werden und nicht geübt werden dürfen. Dabei werden die Ausführung der einzelnen Figuren sowie die allgemeine Harmonie des Programms mit Punkten bewertet.

Erste Erfahrungen werden auf regionalen Wettbewerben erworben. Davon wird eine große Anzahl jährlich von den Vereinen ausgerichtet. Regionale Wettbewerbe orientieren sich an den Leistungen der teilnehmenden Piloten.

Bei Segelkunstfliegern gibt es keine Qualifikationsmeisterschaften, die die Teilnahme an den Deutsche Meisterschaften ermitteln. Die besten Kunstflieger der regionalen Wettbewerbe dürfen automatisch an der deutschen Meisterschaft teilnehmen. Diese findet, genau wie beim Streckenflug, alle 2 Jahre statt.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere