Tauschen Sie den Wohnzimmersessel gegen einen Sattel und erleben Sie die Natur so unmittelbar wie nie zuvor: Eine Mountainbike Tour ist eine Fahrradtour für besonders abenteuerlustige Zweirad-Fans. Sie verlassen die herkömmlichen Verkehrswege – über Schotter, Erde oder  anderes Gestein geht es über Berg und Tal, durch Wälder und über Wiesen.

Das Gelände, das per Mountainbike zu erschließen ist, ist nahezu endlos. Doch Mountainbike Touren stellen hohe Anforderungen an den Fahrer und ans Gefährt. Wie Sie diese Herausforderung sicher meistern, verrät Ihnen dieser Artikel.

Das Mountainbike – Der Geländewagen unter den Fahrrädern

Mountainbikes sind spezielle Fahrräder für das Gelände und somit für das Fahren abseits befestigter Wege. Sie zeichnen sich durch ein ausgebautes Federsystem aus, einem kleinen Rahmen, breiten Reifen mit mehr Profil sowie eine Kettenschaltung mit vielen Gängen.

Touren mit Mountainbikes stellen eine abwechslungsreiche Alternative zu herkömmlichen Radtouren dar. Sie bewegen sich in der freien Natur, fernab dem Trubel der Straßen. Auf diese Weise steigern Sie nicht nur ihre körperliche Fitness, Sie lernen Ihre Heimat aus einer ganz neuen Sicht kennen oder erkunden fremde Orte.

Mountainbike Touren durch unebenes Gelände sind sicherlich anstrengender als herkömmliche Fahrradtouren, doch wenn Sie abends ausgepowert ins Bett fallen, werden Sie glücklich und zufrieden sein, eine neue Herausforderung gemeistert zu haben.

Voraussetzungen für die Teilnahme an einer Mountainbike Tour

Mountainbike Touren verlangen viel Kraft, Ausdauer und Kondition. Da diese von kleinen Kindern nicht aufgebracht werden können, empfehlen sich Touren mit dem Mountainbike, je nach Reife des Kindes, erst ab dem Grundschulalter. Ansonsten gibt es keine Altersbeschränkung, solange eine gute körperliche Verfassung gegeben ist.

Dazu zählen ein stabiles Herz-Kreislaufsystem sowie ein gesunder Rücken und gesunde Gelenke. Alle Teilnehmer sollten zudem sichere Radfahrer sein und sich mit einem Mountainbike schon einmal bekannt gemacht haben.

Das richtige Mountainbike für Ihre Tour

Mountainbike ist nicht gleich Mountainbike. Es gibt verschiedene Modelle, die abweichende Eigenschaften aufweisen und somit für unterschiedliche Einsatzorte geeignet sind. Bei Mountainbike Touren fällt die Entscheidung entweder auf ein sogenanntes Hardtail- oder Fully-Bike. Diese beiden Modelle werden nun kurz vorgestellt:

Hardtail:

  • Vorne eine gefederte Gabel, aber ein starrer Hinterbau
  • Gute Bodenhaftung und somit bessere Kraftübertragung
  • Gabel kann festgestellt werden, praktisch beim Bergauffahren
  • Am besten geeignet für Fahrten auf vorwiegend befestigten Straßen und Forstwegen
  • Neu ab 1200 Euro erhältlich

Fully:

  • Kurz für Full Suspension Mountainbike
  • Vorne und hinten gefedert
  • Stöße werden besser absorbiert
  • Am besten geeignet für das Gelände, unbefestigte Wege und Downhill (schnelle Abfahrten)
  • Schwerer
  • Aufwendiger in der Wartung
  • Für gute Qualität müssen mindestens 2000 Euro investiert werden

Welches das richtige Bike für Sie ist, kommt ganz darauf an, wie Sie es einsetzen möchten. Ausführliche Testberichte für viele Modelle finden Sie auf der Website des Mountainbike Magazins.

Für Kinder gibt es extra kleine Mountainbikes mit einer Rahmengröße von 24 Zoll. In der Regel reicht für sie ein Hardtail-Bike aus, da Kinder, die noch nicht groß genug für ein Erwachsenenfahrrad sind, die nötige Kraft für das Fahren im Gelände nicht aufbringen können. Großgewachsene Kinder ab einer Körpergröße von 160 Zentimetern und einer Innenbeinlänge von mehr als 70 Zentimetern können auf einem 26 Zoll-Erwachsenenrad fahren.

Verkehrssicherheit während Mountainbike Touren

Mountainbikes gelten als Sportfahrräder und erfüllen oft nicht die nötigen Voraussetzungen, um nach der Straßenverkehrszulasssungsordnung im öffentlichen Verkehr teilnehmen zu dürfen. Aus diesem Grund müssen eine Klingel, die Beleuchtung (Vorder- und Rücklicht) sowie Reflektoren nachgerüstet werden.

Equipment für Mountainbike Touren

Neben der Gepäckverstauung gehören ein Schutzhelm, die richtige Kleidung und ein GPS-Gerät zum Equipment eines Mountainbikes. Im Folgenden werden die einzelnen Komponenten und ihr Zweck vorgestellt sowie praktische Tipps für den Kauf gegeben.

Gepäckverstauung während der Mountainbike Tour

Je nach Tourlänge muss Proviant, Kartenmaterial oder Wechselkleidung eingepackt werden. Im Gegensatz zu normalen Fahrrädern haben Mountainbikes keinen Gepäckträger. Die Befestigung von Gepäckstücken am Rad ist folglich nicht möglich. Stattdessen wird ein Rucksack benötigt. Jedoch sollten Sie nicht zu einem herkömmlichen Rucksack greifen. Spezielle Mountainbike-Rucksäcke bieten viele Vorzüge:

  • Perfekter Sitz am Körper, keine rutschenden Träger
  • Eine gute Gewichtsverteilung und eine Rückenpolsterung schonen den Rücken
  • Helmhalterung und mehrere Fächer, wie ein Innenfach für den Trinkbeutel mit einer Öffnung für den Trinkschlauch
  • Regenschutz

Mountainbike-Rucksäcke haben durchschnittlich ein Fassungsvermögen von 25 Litern. Die Preise schwanken je nach Hersteller zwischen 40 und 120 Euro.

Richtige Kleidung für eine Mountainbike Tour

Mountainbike-Touren-Ausrüstung
©shutterstock – Dudarev Mikhail

Die typische Bekleidung eines Mountainbike-Fahrers setzt sich aus einem Trikot und einer Hose zusammen, die je nach Jahreszeit und Wetterlage lang oder kurz ausfallen. Neben bequemen Sportschuhen und Handschuhen ist die Anschaffung einer Mountainbike-Brille und -Jacke empfehlenswert. Beim Kauf ist auf Folgendes zu achten:

  • Atmungsaktives, wind- und wasserabweisendes Material mit weichen Nähten
  • Körperbetonter Schnitt, um ein Flattern im Wind zu vermeiden
  • Praktisch ist, über ein kurzes Trikot eine Jacke zu ziehen. Diese hat Taschen für den Transport kleiner Gegenstände und kann, sollte es zu warm werden, schnell ausgezogen werden.
  • Mountainbike-Hosen haben am Gesäß zusätzliche Polsterung und häufig angenähte Träger, die ein Rutschen verhindern.
  • Bei der Brille sorgt ein Kopfband dafür, dass sie nicht verrutscht.
  • Bei Handschuhen am besten zu Langfingerhandschuhen greifen. Diese schützen Ihre Finger im Falle eines Unfalls.

Um im Fall eines Sturzes keine Kopfverletzungen zu riskieren, sollte ein Sturzhelm getragen werden. Dieser sollte folgende Anforderungen erfüllen:

  • Richtige Passform, regulierbar durch ein Einstellrad
  • Ausreichend Belüftungsschlitze
  • Aerodynamischer Schnitt

Obwohl beim Kauf die Qualität und nicht der Preis im Vordergrund stehen sollte, sind solche Sturzhelme bereits zwischen 60 und 80 Euro erhältlich.

GPS-Navigationssystem statt Landkarte

Ein GPS-Navigationssystem ist eine Alternative zur klassischen Landkarte. Es bietet zahlreiche Vorteile:

  • Es ist nicht zwangsweise ein Anhalten nötig, um einen Blick auf die Karte zu werfen, da das Gerät an der Lenkstange befestigt wird.
  • Keine ewige Sucherei auf der Karte, die aktuelle Position wird stets angezeigt.
  • Erhöhen der Sicherheit: Im Notfall kann die exakte Position durchgegeben werden, sodass Rettungskräfte schneller vor Ort sind. Außerdem werden Tankstellen, Krankenhäuser und andere Einrichtungen in der Nähe angezeigt.
  • Das Kartenmaterial ist meist aktueller.
  • Touren können auch aufgezeichnet werden.
  • Es werden Angaben zu Geschwindigkeit, Entfernungskilometer und Höhenmeter gemacht.
  • Je nach Modell wird ein Trainingsmodus geboten, der unter anderem die Trittfrequenz festhält und somit Ihren Fortschritt sichtbar macht.

Von GPS-Systemen in Handys ist allerdings abzuraten, da Handys größtenteils nicht stoß- und spritzfest sind wie spezielle GPS-Geräte für Mountainbikes. Ein Nachteil der Navigation per GPS ist außerdem, dass in abgeschiedenen Gegenden schlechter Empfang herrschen könnte. Aus diesem Grund ist immer eine Ersatzkarte mitzuführen!

Ähnlich wie bei niedergeschriebenen Wegbeschreibungen anderer Fahrer, wie es sie im Internet zu finden gibt, können auch die GPS-Daten unzuverlässig sein. Deswegen ist stets auf die Quelle zu achten! Es gibt Websites, die GPS-Daten zum Download anbieten.

Auch ist das GPS-System kostspieliger in der Anschaffung als Kartenmaterial. Der Download von GPS-Daten ist jedoch günstiger oder teilweise kostenlos, sodass sich der Kauf eines solchen Geräts besonders bei Vielfahrern schnell rentiert.

Eine Mountainbike Tour richtig planen

Eine Mountainbike Tour bedarf, besonders bei längeren und mehrtägigen Ausflügen, sorgfältiger Planung. Nur so ist ein reibungsloser Ablauf sicherzustellen. Bevor Sie sich auf den Sattel schwingen sollten folgende Faktoren gründlich durchdacht und Vorbereitungen getroffen werden.

Mitfahrer

Fahren in einer Gruppe macht Spaß – ist die Gruppe jedoch zu groß, stören häufige Pausen den Ablauf der Tour. Zudem sollten alle Mitfahrer in etwa dasselbe Leistungsniveau haben und miteinander harmonieren.

Übernachtung

Bei mehrtägigen Touren ist im Voraus eine Übernachtungsmöglichkeit nahe der zu fahrenden Strecke zu buchen. Ein Hotel bietet mehr Komfort mit maximal zwei Personen pro Zimmer. Eine Herberge dagegen ist billiger, wobei es mit bis zu acht Personen pro Zimmer schon einmal schwer werden kann, die Nachtruhe zu genießen. Diskutieren Sie deswegen mit Ihren Mitfahrern die Möglichkeiten und treffen sie gemeinsam eine Entscheidung.

An- und Abreise

Bei der Planung muss auch berücksichtigt werden, wie die Fahrräder zum Ausgangspunkt der Tour transportiert werden sollen. Ist die Mitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln möglich? Verfügen Sie über eine Fahrradaufhängung für das Auto?

Sollte die Mountainbike Tour keine Rundreise sein, ist zudem der Rückweg mit anderen Verkehrsmitteln zu planen. Dabei ist eine gute Zeitplanung mit ausreichend Puffer wichtig.

Zeitpunkt

Im Sommer ist die Regenwahrscheinlichkeit geringer, dafür kann stundenlanges Radfahren bei glühender Hitze sehr anstrengend für den Kreislauf sein. Zudem sind viele Strecken in den Bergen wegen des Schneefalls nur während der Sommermonate befahrbar.

Wartung des Bikes

Vor jeder Tour ist das Mountainbike einem Sicherheitscheck zu unterziehen. Dazu zählt das Überprüfen der Funktionalität folgender Elemente:

  • Bremsen
  • Reifenbelag und -druck
  • Speichenspannung
  • Schrauben (festziehen)
  • Schaltung
  • Kette
  • Lager (kein Spiel)
Bei längeren Touren ist vor jeder Tagesetappe ein solcher Check durchzuführen. Zudem sollte Werkzeug mitgeführt werden, damit bei Pannen Abhilfe geleistet werden kann. Hilfreich ist auch, die Zweiradgeschäfte und -werkstätten entlang der Route rauszusuchen.
Letztlich gilt: Besonders auf ausgedehnte Touren sollte Sie sich niemals ohne das nötige Training begeben.

So läuft Ihre Mountainbike Tour reibungslos ab

Am Tag der Tour empfiehlt es sich, frühzeitig aufzubrechen. Zu früher Stunde ist weniger los und im Sommer ist es noch angenehm kühl. Außerdem ziehen Wärmegewitter vorwiegend nachmittags und abends auf. Und wer am Abend zeitig ins Bett geht, dem fällt am nächsten Morgen das frühe Aufstehen nicht ganz so schwer.

Für einen reibungslosen Ablauf der Mountainbike Tour sind diese Ratschläge hilfreich:

  • Beginnen Sie die Tour nicht zu enthusiastisch und teilen Sie sich Ihre Kräfte sorgfältig ein!
  • Sollten Ihre Kräfte Sie doch einmal verlassen, schieben Sie das Bike. Den Anschluss zur Gruppe bekommen Sie am nächsten Rastplatz. Beim Bergauffahren am besten in einen niedrigen Gang schalten.
  • Behalten Sie das Wetter im Auge! Droht starker Regen oder ein Gewitter, suchen Sie rechtzeitig Schutz in Gasthäusern oder Ähnlichem.
  • Trinken Sie viel! Darüber hinaus sollten Sie lieber viele kleine Mahlzeiten zu sich nehmen anstatt zwei große.
  • Vergessen Sie den Sonnenschutz nicht! Dazu zählt eine wasserfeste Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor sowie eine Kopfbedeckung als Schutz vor einem Sonnenstich.

Verhalten nach einem Sturz bei Mountainbike Touren

Sollte es doch einmal zu einem Sturz kommen, leisten Sie Erste Hilfe. Führen Sie deswegen immer einen Erste-Hilfe-Kasten mit. Schürfwunden sind zu desinfizieren und zu verbinden.

Schwere Verletzungen wie Knochenbrüche bedürfen einer ärztlichen Untersuchung. Rufen Sie unverzüglich den Notarzt oder die Bergrettung! Bei Kopfverletzungen sorgen Sie dafür, dass der Verletzte nicht das Bewusstsein verliert.

Tour-Angebot für Mountainbiker – Geführte Touren und GPS-Routen

Wenn Sie sich für eine Mountainbike Tour entscheiden, gibt es zwei Arten, diese in Angriff zu nehmen: Entweder Sie planen die Tour auf eigene Faust und laden sich dafür die GPS-Daten Ihrer Wunschstrecke runter. Oder Sie greifen auf einen Anbieter von geführten Mountainbike Touren zurück.

Doch egal, wie diese Entscheidung auffällt – die Strecke, die sie auswählen, muss mit ihren Anforderungen auf Ihre Fähigkeiten abgestimmt sein. Der Schwierigkeitsgrad einer Tour wird definiert durch:

  • Die zu überbrückenden Höhenmeter
  • Die Beschaffenheit des Wegs (Gibt es Hindernisse im Gelände?)
  • Ihre Dauer und somit der Kondition, die Sie zum Bewerkstelligen der Strecke aufbringen müssen.