Vorsichtig suchen Ihre Finger Halt an der rauen Felswand, während zehn Meter unter Ihnen der Kletterpartner aufmerksam Ihre Bewegungen verfolgt, um Sie im Notfall zu sichern. So hoch waren sie noch nie zuvor, aber dieses Mal wollen Sie es endlich schaffen. Entschlossen ergreifen Sie die Felskante, drücken sich mit den Füßen schräg nach oben und haken mit der anderen Hand die Zwischensicherung ein.

Bis zum höchsten Punkt ist es nicht mehr weit. Die letzte Etappe fordert ihre ganze Körperbeherrschung. Geschickt bringen Sie sich in eine bessere Position, halten sich dicht am Felsen und treten auf einen schmalen Vorsprung. Noch einmal schieben Sie sich in die Höhe und erreichen angestrengt den letzten Karabinerhaken, der das Ende der Kletter-Route anzeigt. Erschöpft, aber glücklich seilen Sie sich zu Ihrem Kletterpartner ab.

Sportklettern trainiert den gesamten Körper, verbessert die Koordination und das Gefühl für den eigenen Körper. Gleichzeitig tragen Kletterer sowohl die Verantwortung für sich selbst als auch für den Kletterpartner. Der Einstieg in diesen Sport erfolgt meistens über einen Kletterkurs. Aber welchen Grundkurs muss ich besuchen? Wie erhalte ich den Kletterschein? Ist Klettern wirklich ein sicherer Sport?

Warum müssen Anfänger einen Kletterkurs besuchen?

Im Gegensatz zu anderen Sportarten dürfen sie nicht so einfach losklettern, sondern müssen erst einen Grundkurs für Anfänger absolvieren, den der Deutsche Alpenverein (DAV), ihm angehörige regionale Vereine und Kletterhallenbetreiber anbieten.

Wenn Sie neu in diesen Sport einsteigen möchten, müssen Sie meistens mehrere Kletterkurse besuchen, die aufeinander aufbauen, bevor Sie selbstständig Felswände erklimmen dürfen.

Beim Schnupperklettern verschaffen sich die Teilnehmer einen ersten Eindruck und finden heraus, ob Ihnen dieser Sport gefällt. Anschließend können sie an einem Kletterkurs für Anfänger teilnehmen, um die Grundlagen zu erlernen. Interessenten, die bereits wissen, dass sie mit dem Sportklettern beginnen möchten, überspringen das Schnupperklettern und steigen direkt beim Grundkurs ein.

Voraussetzungen für Kletterkurse

  • Das Mindestalter beträgt 18 Jahre
  • Minderjährige ab 14 Jahre benötigen die Erlaubnis des Erziehungsberechtigten
  • Für Kinder ab 6 Jahren gibt es spezielle Kletterkurse, bei denen ein Erziehungsberechtigter das Kind beaufsichtigen muss
  • Durchschnittliche körperliche Fitness
  • Bequeme Kleidung und eng anliegende Sportschuhe
  • Bei körperlichen Beschwerden am Bewegungsapparat sowie Herz-Kreislauf-Problemen ist die Teilnahme am Kletterkurs nur nach Rücksprache mit einem Arzt möglich.

Welche Grundkurse gibt es für das Sportklettern?

Ein Grundkurs richtet sich an Einsteiger ohne und mit geringen Vorkenntnissen, die das Sportklettern lernen möchten. Unter Anleitung eines Bergführers lernen Sie in diesem Kletterkurs die wichtigsten Sicherungsmethoden und Klettertechniken, die es zu beherrschen gilt, bevor Sie Ihre ersten Versuche an der Wand unternehmen dürfen. Je nach Region findet der Grundkurs entweder in der Kletterhalle oder an Felswänden statt.

In der Regel stellt der Verein den Teilnehmern des Kletterkurses die erforderliche Kletterausrüstung zur Verfügung. Die Kosten sind meist im Kursentgelt enthalten, jedoch verlangen manche Veranstalter eine Leihgebühr, weshalb sich Interessenten zuvor erkundigen sollten, ob und in welcher Höhe zusätzliche Gebühren erhoben werden.

Viele Kletterkurse für Anfänger bauen inhaltlich aufeinander auf und vermitteln Einsteigern theoretisches Grundwissen sowie die wichtigsten Kletter- beziehungsweise Sicherungstechniken.

In der Regel bestehen die Grundkurse aus zwei Teilen:

Grundlagen des Kletterns

Beim Klettern muss jeder Sportler die Grundlagen beherrschen, um später seinen Partner zu sichern und weder andere Menschen noch sich selbst zu gefährden. Daher gibt es einen Kletterkurs, der sich ausschließlich mit der Ausrüstung, den Verhaltens- sowie Kletterregeln und der Knotentechnik beschäftigt, bevor der zweite Grundkurs Kenntnisse der Sicherungs- und Klettertechnik vermittelt. Danach kennen Kletter-Anfänger die theoretischen Grundlagen, die für den Sport erforderlich sind.

Praktischer Grundkurs mit Kletterschein für Anfänger

Im vorletzten Kletterkurs, der sich an Einsteiger richtet, lernen Sie, selbstständig im Toprope zu klettern. Diese Sicherungsmethode gehört zu den wichtigsten Techniken, die Anfänger beherrschen müssen. Am Ende des Grundkurses können Sie die Prüfung für den Kletterschein des DAVs ablegen und dürfen ab sofort selbstständig im Toprope klettern. Die Teilnahme an den Prüfungen für die Kletterscheine ist freiwillig und keine Pflichtbedingung, um zu klettern.

Zusätzlich bieten einige Kletterhallen und Vereine Kombi-Kletterkurse an, die eine vollständige Einführung in die Theorie und Praxis vermitteln. Diese Grundkurse finden häufig an Wochenenden oder verteilt auf mehrere Termine statt. Gleiches gilt für den Kletterschein, der bei manchen Veranstaltern in einem Kombi-Kletterkurs absolviert werden kann.

Welche Kletterkurse eignen sich für Fortgeschrittene?

Fortgeschrittene, die bereits verschiedene Routen auf Kletter- und Felswänden erfolgreich bewältigt haben, können ihre Kenntnisse erweitern.

Zum Beispiel lernen sie in einem Kletterkurs für Fortgeschrittene das richtige Verhalten beim Absturz aus großer Höhe und erweitern ihr Wissen um neue Sicherungsmethoden oder schwierigere Klettertechniken wie das sogenannte Hooken, bei dem sich die Sportler mit der Ferse oder den Zehen eines Fußes festhakt, um eine Hand zu entlasten.

Gibt es einen Kletterkurs für Kinder?

Regelmäßiges Klettern fördert die Koordination, die Beweglichkeit und stärkt die Ausdauer und Kraft. Außerdem entwickeln Kinder ein besseres Gefühl für den eigenen Körper und lernen für sich selbst und andere Verantwortung zu übernehmen. Daneben verbessert das Sportklettern die kognitiven Fähigkeiten und lehrt, die eigenen Grenzen sowie mögliche Gefahren besser einzuschätzen.

In einem speziellen kindgerechten Kletterkurs lernen Kinder die wichtigsten Verhaltensregeln, Sicherungs- sowie Klettertechniken und werden von erfahrenen Kletterern in Hallen bzw. Bergführern an Felsen betreut. Während des Kletterkurses erfolgt bei jüngeren Kindern eine Hintersicherung durch Erwachsene, die das Körpergewicht des jungen Kletterers im Falle eines Sturzes mit den Seilen halten, ohne dass etwas passiert.

Anders als bei Erwachsenen steht im Kletterkurs für Kinder der Spaß im Vordergrund, um sie ohne Leistungsdruck für den Sport zu begeistern. Trotzdem lernen sie die Fels- und Kletterwände nicht als Spielplatz zu betrachten, sondern als einen Ort, an jeder Spaß hat, solange Man andere nicht stört.

Sicherheit und Vorschriften beim Klettern

Kletterkurs-Sicherheit
©shutterstock – Dean Drobot

Sicherheit hat bei dieser Risikosportart oberste Priorität. Bereits in einem Kletterkurs lernen Anfänger, den Partner an der Fels- oder Kletterwand ordnungsgemäß zu sichern. Schließlich tragen sowohl der Kletterer als auch der unten stehende Partner die Verantwortung, dass nichts passiert. Erst wenn Sie und Ihr Kletterpartner in einem Kletterkurs die notwendigen theoretischen sowie praktischen Grundlagen erlernt haben, dürfen Sie selbstständig an der Kletter- oder Felswand klettern.

Grundsätzlich erfolgen sowohl die Teilnahme an einem Kletterkurs als auch das spätere Sportklettern auf eigene Gefahr. Darüber hinaus sind alle Sportler verpflichtet, auf die Sicherheit der Mitmenschen zu achten, die durch waghalsige Manöver und unsachgemäßen Gebrauch der Ausrüstung gefährdet werden. Demzufolge müssen Kletterer darauf achten, dass keine Gegenstände herunter fallen und den Kletterpartner oder Passanten verletzen.

Neben den Grundlagen des Sportkletterns erfahren Einsteiger im Kletterkurs, welche Vorschriften zu beachten sind. Zum Beispiel gibt es aus Gründen des Naturschutzes sowie der Artenerhaltung in einigen Regionen temporäre Kletterverbote. Diese dienen dem Schutz seltener Vogelarten, die in Felswänden brüten.

Zur Verbesserung der Sicherheit können Kletterbegeisterte die Prüfung der offiziellen Kletterscheine des DAVS absolvieren, die der Deutsche Alpenverein ins Leben gerufen hat. Diese Kletterscheine berechtigen zum selbständigen Klettern an Felswänden sowie in Kletterhallen.

Welche DAV Kletterscheine gibt es?

Zur Verbesserung der Sicherheit bieten der Deutsche Alpenverein (DAV) und ihm angehörige Vereine zwei Kletterscheine Toprope und Vorstieg an:

Kletterschein Toprope

  • Partnercheck, Selbstkontrolle: Gurtverschlüsse, Anseilen, abgeknotetes Seilende, Anbringen des Sicherungsgeräts
  • Sicherung im Toprope: Bedienung des Sicherungsgeräts, Gewichtsunterschiede zwischen den Kletterpartnern beachten
  • Toprope Klettern und Falltest: Klettern bis zur Umlenkung, Mindestens zwei Karabiner an der Umlenkung, Maximal ein Seil an der Umlenkung eingehackt, Beachtung der Pendelgefahr, Falltest als Kletterer, Sicherung beim Falltest des Kletterpartners
  • Kletter-Kommandos und Abseilen: Verwendung der Kommandos „Zu“ und „Ab“, Langsames Abseilen des Kletterpartners nach Kommando bis zum Boden, Verwendung des Sicherungsgeräts

Kletterschein Vorstieg

  • Voraussetzung: Toprope-Schein
  • Partnercheck: Gurtverschlüsse, Anseilen, abgeknotetes Seilende, Anbringen des Sicherungsgeräts
  • Sicherung des Vorstiegs: Bedienung des Sicherungsgeräts, Gewichtsunterschiede zwischen den Kletterpartnern beachten, Richtiges Spotten durch den Sichernden (bis zum 1. Haken), Schnelles Seilgabe beim Clippen, Sichernde muss den Kletterpartner beobachten und seine Position anpassen, Kein Schleppseil in Bodennähe
  • Vorstieg klettern: Alle Zwischensicherungen nutzen, Unverdrehtes Seil beim Zwischensicherungen einhängen, Stabile Position beim Einhängen der Sicherung, Seil muss vor dem Kletterer hängen

Um die Kletterscheine zu erhalten, nehmen Sie an einem Kletterkurs teil, der die Grundlagen zur Sicherung und zum Klettern vermittelt und absolvieren anschließend die praktische Prüfung. Diese besteht aus zwei Teilen: Jeder Teilnehmer wird als Kletterer und Sichernder geprüft. Nach bestandener Prüfung erhalten Sie den jeweiligen Kletterschein.

Wo und wann darf ich Klettern?

Außerhalb eines Kletterkurses ist das Sportklettern nur auf zugelassenen Routen und in Kletterhallen zulässig. An welchen Felsen in Deutschland es erlaubt ist, legen die offiziellen Kletterregeln fest. Diese stehen sowohl auf Infotafeln in den jeweiligen Klettergebieten als auch in vielen Kletterführern der Regionen.

Die Regelungen informieren Kletterer über mögliche Einschränkungen und Verbote. Zum Beispiel ist an manchen Felsen nur das Klettern bis zur Umlenkung erlaubt. Außerdem sollten Kletterer auf die Beschilderung der Wege und Zustiege achten:

  • Schwarzer Pfeil im schwarzen Kreis auf weißem Grund: Die Pfeilrichtung zeigt an, in welcher Richtung das Klettern bzw. die Begehung des Weges erlaubt ist.
  • Schwarzes, schräges Kreuz im schwarzen Kreis auf weißen Grund: Dieses Schild kennzeichnet gesperrte Felszonen und Wege. Klettern und Passieren sind dort untersagt.

Verhaltensregeln für Kletterer

Zwar lernen die meisten Einsteiger im Kletterkurs neben den Grundlagen des Sportes auch Verhaltensregeln, doch halten sich leider einige Sportler nicht an sie.
Grundsätzlich sollten Sie in der Natur die zum Sportklettern freigegebenen Felsen über den Zustieg betreten.

Der Aufstieg einer Felswand nimmt abhängig von der Schwierigkeit der Route einige Zeit in Anspruch. Aber trotz der Anstrengung sollten Kletterer die Felswand sauber verlassen. Unabhängig, ob Sie an einem Kletterkurs teilnehmen oder mit dem Kletterpartner alleine die Felswand besteigen, ihren Müll sollten Sie nicht dort liegen lassen.

Dies gilt ebenfalls für organische Abfälle, wie Apfelgehäuse und Bananenschalen. Schließlich erwarten Sie auch einen sauberen Platz, statt die Hinterlassenschaften der Vorgänger vorzufinden.