Sie spüren das Wasser unter sich und den Wind im Rücken. Mit hoher Geschwindigkeit gleiten Sie übers Wasser und machen es zu Ihrem Element. Doch damit nicht genug, durch eine Lenkbewegung des über Ihnen schwebenden Kites erobern Sie zusätzlich den Luftraum.

Das Gefühl des Fliegens stellt sich ein, verbunden mit der absoluten Kontrolle über Board und Kite ist dies eine einmalige Erfahrung. Absolute Kontrolle und gleichzeitige Losgelöstheit werden vereint. Das Kitesurfen ist eine Kombination aus Flug- und Wassersportart und verbindet das Beste aus beiden Welten.

Immer mehr Menschen lassen sich vom Kitesurfen begeistern, doch woraus besteht die Ausrüstung? Wo können Sie das Kitesurfen lernen? Welche Regeln müssen beachtet werden?

Was ist Kitesurfen?

Kitesurfen ist der neue Boardsport, der mehrere Boardsportarten miteinander vereint. Kiter stehen auf einem kleinen Brett, das Ähnlichkeiten mit einem Wakeboard, Snowboard und Surfbrett aufweist, und lassen sich von einem Lenkdrachen über das Wasser ziehen.

Mit Blick auf die Fortbewegungsart lässt es sich mit Windsurfen vergleichen. Aufgrund des Auftriebs durch den Drachen lassen sich dabei extreme Sprünge, teilweise schon Flüge, vollbringen. Kein anderer Wassersport verfügt über eine so große Auswahl an Tricks und Sprüngen wie das Kitesurfen.

Die Anziehungskraft auf Publikum ist groß. Die extremen Sprünge und besondere Dynamik ziehen die Zuschauer in ihren Bann. Darüber hinaus ist der große Lenkdrachen eine Augenweide am Himmel.

Welche Ausrüstung wird für Kitesurfen benötigt?

Die Ausrüstung der Kitesurfer besteht aus mehreren Teilen, zu den drei wichtigsten gehören:

  • das Kite
  • das Board
  • die Bar

Das Kite

Den Kite, d.h. der Drache, gibt es in verschiedenen Ausführungen, die alle unterschiedlich zu bedienen sind. Jeder Kitesurfer muss für sich selbst herausfinden welcher Kite für ihn das optimale ist. Die Größe des Schirms hängt von der Windstärke und der Erfahrung des Kitesurfers ab. Anfänger sollten keine zu großen Schirme verwenden um Überbelastung zu vermeiden.

Die neueren Kites sind mit einer „Depower“-Möglichkeit ausgestattet, die dabei hilft auftretende Kräfte zu verringern, indem das Profil des Kites verändert wird und sich somit weniger Wind im Schirm fangen kann. Beim Kitesurfen unterscheiden Kiter hauptsächlich zwischen Softkites und Tubekites.

Softkites

Softkites sehen aus wie Gleitschirme. Ihr Profil wird durch den Staudruck des Windes erzeugt. Diese Stauluft zwischen Ober- und Untersegel wird als RamAir bezeichnet. Sie verfügen über ein relativ kompliziertes Leinensystem, was den Aufbau erschwert.

Bei Anfängern sind diese Kites beliebt, da der Wasserstart in der Regel einfacher ist als mit Tubekites. Dies liegt daran, dass sie durch die Luftspeicherung und ein Ventilsystem besser auf dem Wasser liegen. Die Größe variiert je nach Könnensstand, Körpergewicht, Windstärke und Kitegröße.

Tubekites

Tubekites verfügen über mehrere Luftschläuche. Sie bestehen aus einem Frontschlauch und mehreren Querschläuchen. Der Frontschlauch sorgt für die charakteristische halbrunde Form, während die Querschläuche die Stabilität des Segeltuchs gewährleisten.

Die Luftschläuche verhindern das Versinken des Schirms im Wasser und ermöglichen damit einen Wasserstart. Man unterscheidet bei den Tubekites zwischen vier verschiedenen Arten:

  • C-Kite: Dieser Kite ist vor allem im Freestyle Bereich in Benutzung. Er vermittelt ein direktes Fluggefühl, allerdings ist er nicht für Anfänger geeignet, da er nur eine minimale „Depower“ aufweist.
  • Bow-Kite: Dieser Tubekite hat einen flacheren C-Frontschlauch und „Waageschnüre“ mit mehreren Angriffspunkten am Kite, die das „Depowern“ ermöglichen. Ein Bow-Kite ist gut für Anfänger geeignet und wird auch meistens im Kitesurfkurs der Kiteschule benutzt.
  • Delta-Kite: Ein Delta-Kite ist ein weiterentwickelter Bow-Kite und hat die besten Wasserstarteigenschaften. Er ist ebenfalls gut für Anfänger geeignet.
  • Hybrid-Kite: Dieser Kite stellt eine Mischung aus C-Kites und Bow-Kites dar. Hybrid-Kites sind wie die Bow-Kites zum „Depowern“ fähig, doch dadurch, dass die Steuerleinen wie bei den C-Kites direkt an den Drachen geknüpft sind, weisen sie ein direkteres Flug- und Lenkgefühl auf. Da sie nicht so fehlerverzeihend sind wie Bow-Kites, sind sie nicht zu empfehlen, um Kitesurfen zu lernen.

Das Board

Kiteboards haben kaum eigenen Auftrieb, dieser wird erst durch die Fahrt auf dem Wasser erreicht. Man unterscheidet zwischen drei Arten von Boards.

Twin Tips

Diese sind ähnlich wie ein Snowboard aufgebaut und lassen sich in beide Richtungen fahren. Dadurch haben Sie den Vorteil, dass Sie nach dem Richtungswechsel keinen Fußwechsel mehr machen müssen.

Sie sind sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene geeignet. Fortgeschrittene fahren kleinere Boards, da sich diese besser für Sprünge und Tricks eignen.

Directional-Boards

Diese ähneln Surfboards. Sie haben ein Heck und ein Bug, dadurch ist die Fahrtrichtung vorgegeben und nach einem Fahrtwechsel muss ein Fußwechsel vorgenommen werden. Das bedeutet, dass die Füße aus den Schlaufen herausgenommen werden müssen um dann den Platz zu tauschen.

Der Fuß der anfänglich vorne war, ist nun hinten. Sie weisen ein besonderes Fahrgefühl bei Wellen, sowie bei ruhigem Gewässer auf und sind für Anfänger sowie für Fortgeschrittene geeignet. Allerdings besitzen sie mehr Auftrieb als Twin Tips und werden dadurch häufiger von Anfängern gefahren.

Mutant-Boards

Sie sind eine Mischung aus Directional-Boards und Twin Tips und vereinen somit die Vorteile beider Boards. Das heißt, sie bieten mehr Auftrieb und die Möglichkeit in beide Richtungen zu fahren.

Die Bar

Die Bar ist die Steuerstange, an der die Steuerungs- und Sicherheitsleinen befestigt sind. Der Kitesurfer ist über ein Trapez entweder mit der zentralen „Depowerleine“ und damit mit den inneren Leinen verknüpft oder über die Trapezschlaufe direkt mit der Steuerstange und somit mit den äußeren Leinen. Es wird zwischen drei Bar-Systemen mit unterschiedlichen Leineanzahlen unterschieden.

2-Leiner

Hierbei kiten Sie nach dem klassischen Lenkdrachenprinzip. Durch Loslassen der Bar, kann der Kite relativ schnell zu Boden gebracht werden. Allerdings gibt es bei dieser Variante nur geringen „Depower“-Möglichkeiten. 2-Leiner werden vor allem bei Schulungen von Anfängern eingesetzt, da sie grundsätzlich einfacher in der Handhabung sind und ruhiger auf Steuerbefehle reagieren.

4-Leiner

Dieses System funktioniert ähnlich. Wobei zwei der Leinen zum „Depowern“ dienen. Es reagiert wesentlich schneller und exakter auf Steuerbefehle und eignet sich eher für den erfahrenen Kitesurfer.

5-Leiner

In diesem System dient die fünfte Leine zur Stabilisierung des Kiteprofils und damit zu einer Ausweitung des nutzbaren Windbereichs. Hinzukommt, dass dadurch die Sicherheit beim Kitesurfen verbessert wird, da der Drache durch einen Zug an dieser Leine drucklos auswehen kann.

Wo kann ich die Kitesurfausrüstung erwerben?

Kitesurfen-Board-Ausrüstung
©shutterstock – santypan

Die Ausrüstung ist bei den Kursen mit inbegriffen, wenn Sie sich später eine eigene zulegen möchte, sollten Sie sich im Fachhandel umschauen und beraten lassen. Fachgeschäfte für Kitesurfen finden Sie in ganz Deutschland unabhängig von der Nähe zu Gewässer, in Wassernähe gibt es allerdings eine größere Auswahl.

Im Internet gibt es Shops die sich auf Kites oder Boards spezialisiert haben, dort finden Sie meist eine größere Auswahl als bei gemischten Internethändlern.

Die Kosten belaufen sich für die gesamte Ausrüstung ungefähr auf 1300 Euro. Gebrauchte Ausrüstung erwerben Sie am besten über Internetplattformen, wie zum Beispiel ebay. Viele Kiteshops bieten ebenfalls gebrauchte Ausrüstungen an.

Bei gebrauchter Ausrüstung ist darauf zu achten, dass diese nicht älter als zwei Jahre ist, da ständig Neuerungen im Bereich des Sicherheitssystems auf dem Markt erscheinen. Auf diese sollten Sie nicht verzichten, da sie die Sicherheit wesentlich erhöhen. Eine Alternative zum käuflichen Erwerb besteht darin, sie sich zum Kitesurfen auszuleihen.

Kitesurfen für Anfänger

Ab wann kann man Kitesurfen lernen?

Es wird empfohlen erst ab einem Alter von 15 mit dem Kitesurfen zu beginnen, da dann die nötige Reife vorhanden ist. Manche Kiteschulen bieten ihre Kurse allerdings schon ab acht Jahren an. Sie sollten körperlich gesund sein.

Wenn Sie irgendwelche Beschwerden haben, fragen Sie bei ihrem Arzt nach, ob Kitesurfen möglich ist. Eine Vorbildung ist für den Kitesurfkurs nicht notwendig, Sie können allerdings vorher mit einem kleineren Lenkdrachen oder einer Matte üben. Das Üben an einer Wasserskianlage mit einem Wakeboard ist ebenfalls hilfreich.

Wo kann man Kitesurfen lernen?

Kitesurfen sollten Sie in einer professionellen VDWS (Verband Deutscher Windsurfing- und Wassersportschulen) geprüften Kiteschule lernen. Empfohlen wird eine Kiteschule, die in einem richtigen Schulungsrevier schult um schnelle und sichere Lernerfolge zu erzielen.

Das Schulungsrevier sollte folgende Kriterien erfüllen: ausreichend Platz, keine Hindernisse im Wasser, hohe Windsicherheit (Nähe zum Meer), große Gewässer (z. B. auch Seen).
Diese Bedingungen werden zum Beispiel an einigen Kitespots an der Ostsee geboten. Optimal sind Kitesurfkurse in kleinen Gruppen um das Unfallrisiko möglichst gering zu halten.

Wie kann man Kitesurfing Lizenz erwerben?

Um den Grundschein einer Kitesurfing Lizenz zu erwerben müssen Sie 5 Level abschließen und eine erfolgreich Theorieprüfung ablegen:

  • Level 1: Allgemeine Sicherheit, Startvorbereitung, Startübungen, erste Flugübungen, Bodydrag
  • Level 2: Bodydrag, Wasserstart
  • Level 3: Wasserstart, mindestens 50 gefahrene Meter
  • Level 4: Raumschot fahren, Steuern, Höhe halten, Basishalse
  • Level 5: Höhe gewinnen
  • Theorie: Fachbegriffe, Vorfahrtsregeln, Naturschutz, Gefahren erkennen

Wie schnell kann man Kitesurfen lernen?

Um Kitesurfen zu lernen, sollten Sie mindestens zwei bis fünf Tage einplanen. Sie halten sich während dieser Zeit ungefähr fünf Stunden auf dem Wasser auf.

Was kostet Kitesurfen?

Der Preis für Kitesurfkurse ist abhängig von Tagesanzahl, Gruppengröße, Ort und Anbieter und beginnt ab 159 Euro.

Kitereisen oder Kitecamp?

Ein Kitecamp und eine Kitereise bieten eine Alternative zum Kitesurfkurs. Sie ermöglichen, das Kitesurfen von der Pike an zu lernen und einige Tage am Stück sein Können zu verbessern.

Zahlreiche Reiseanbieter haben sich auf Kitereisen spezialisiert. Diese gehen meistens in den Süden, da dort durch die Passatwinde optimale Windbedingungen vorhanden sind. Die beliebtesten Reiseziele sind:

  • Ägypten
  • Griechenland
  • Spanien
  • Italien
  • Karibische Inseln

Ein Kitecamp wird meist von einer Kiteschule oder einem Verein für Kitesurfen organisiert und beinhaltet häufig zwei bis drei Tage Intensivunterricht. Abhängig von dem Niveau lernen Sie zunächst die Grundlagen des Kitesurfens, üben einfache Manöver mit dem Kite, bevor Sie im freien Training das Erlernte mit der zur Verfügung gestellten Ausrüstung eigenständig erproben und erweitern.

Ein Kitecamp eignet sich besser für Anfänger als eine Kitereise, da diese häufig nur für erfahrene Kitesurfer angeboten werden. Zudem bieten Kitecamps eine intensivere Betreuung, weshalb der Lernerfolg dort größer ausfällt. Bei Interesse an einer Kitereise sollten Sie sich beim Anbieter informieren für welche Zielgruppe die Reise gedacht ist.

Für die Teilnahme an einem Kitecamp erfolgt die Anmeldung in der Regel direkt bei der Kiteschule. Dort erfahren Sie außerdem den Ablauf und ob, die Kitesurfer nach Vorkenntnissen in Gruppen eingeteilt werden.

Welche Manöver gibt es beim Kitesurfen?

Als Anfänger lernen Sie zuerst grundlegende Manöver, auf die Sie später aufbauen können um die für Kitesurfer bekannten Tricks auszuführen. Der Ablauf besteht beim Kitesurfen aus drei Etappen:

Der Start des Kites

Dieser wird am besten mit einem Helfer durchgeführt, damit Sie nicht ungewollt nach vorne gezogen werden. Bei einem Start nach einer Wasserlandung müssen Kitesurfer mit Tubeschirmen den Kite durch Be- und darauffolgendes Entlasten der Frontleinen den Schirm auf die Schirm-Oberkante legen.

Wenn der Schirm zum Windfensterrand bewegt wurde, kann er durch einen Zug an der nach oben weisenden Seite wieder gestartet werden. Die Bow-Kites sind so gearbeitet, dass sie sich, ohne auf die Oberkante gelegt zu werden müssen, ans Windfenster bewegen können und wieder hochsteigen.

Das Steuern

Wenn der Kite einmal in der Luft ist, ist das Steuern das nächste wichtige Manöver. Mit der Bar steuern Sie den Schirm über die Steuerungsleinen im Windfenster. Wenn Sie eine Richtungsänderung durchführen möchten, müssen Sie die Seite der Bar, in deren Richtung Sie fahren möchten, langsam an den Körper ziehen, was zu einer Bewegung des Kites führt.

Der Kite wird langsam in die Mitte bewegt und dann in den anderen Teil des Windfensters geführt. Das Wenden, auch Halse genannt, kann auf unterschiedliche Weisen erfolgen:

  • Basic Jibe: Eine Möglichkeit ist der Basic Jibe, bei dieser stehen Sie kurz, bevor Sie in die andere Richtung weiterfahren.
  • Carved Jibe: Erst wenn Sie den Basic Jibe beherrschen, können Sie sich an den sogenannten Carved Jibe trauen. Dabei fahren Sie einen Halbkreis nach Lee (in Windrichtung) und anschließend in die andere Richtung weiter. Um dem Kite einen Widerstand zu bieten, müssen Sie mit dem hinteren Fuß das Board belasten.

Das Höhelaufen

Ein weiteres wichtiges Manöver beim Kiten ist das Höhelaufen, dabei fahren Sie durch gezieltes Lenken auf einer gedachten Linie und kommen nach einer Wende wieder am Ausgangspunkt an. Die Boardsteuerung durch Gewichtsverlagerung spielt dabei eine wichtige Rolle.

Sie müssen den Halbwindkurs verlassen und sich in den Anwindkurs begeben, also näher am Wind fahren und nicht mehr quer zu ihm. Dadurch wird es ermöglicht einen Zick-Zack-Kurs gegen den Wind zu fahren. Wenn Sie diese grundlegenden Manöver des Kitesurfens beherrschen, können Sie sich an schwerere Sachen trauen, wie das Springen und die im Laufe des Sprungs ausgeführten Tricks.

Was muss ich als Kitesurfer beachten?

Beim Kitesurfen gibt es einige Regeln, die Sie beachten sollten, um sich und andere Kiter nicht zu gefährden:

  • Von anderen Sportlern fernhalten
  • Das Kite nicht unterschätzen
  • Auf keinen Fall in die Leinen greifen
  • Auf Sicherheit achten und einen Safetyleash benutzen
  • Nicht an Land springen
  • Umweltfaktoren beachten, wie Windstärke, -richtung und Wellengang

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