Aus dieser Perspektive haben Sie die Welt sicherlich noch nicht erkundet: Zu Wasser. Und kein Gefährt eignet sich dazu so gut wie ein Kanu. Sie sind klein, wendig und produzieren keine störenden Motorengeräusche. Die idyllischen Uferlandschaften werden Sie dermaßen fesseln, dass Sie die körperlichen Anstrengungen beim Paddeln völlig vergessen.

So erleben Sie nicht nur die Natur hautnah, sondern trainieren Ihre Kraft und Ausdauer – und das mit großem Spaß! An einer geführten Kanutour können auch Anfänger im Kanusport teilnehmen, sobald sie die Grundtechniken beherrschen.

Was für Boote sind Kanus?

Kanutour-Kayak
©shutterstock – g-stockstudio

Als Kanus werden Wassersportgeräte bezeichnet, die mithilfe von Paddeln angetrieben werden. Zwischen Paddel und Boot besteht keine feste Verbindung, was das Kanufahren vom Rudern unterscheidet. In einem Kanu sitzen ein oder mehrere Fahrer, auch Kanuten genannt, stets in Blickrichtung.

Grob werden zwei Arten von Booten unterschieden:

Kajak:

  • Geschlossenes Deck mit Sitzluke
  • Antrieb durch Doppelpaddel, welche an beiden Enden des Schafts ein Paddelblatt haben
  • Verhältnismäßig schmal, was sie schnell und wendig macht
  • Stammen ursprünglich aus der Arktis und wurden dort von Inuits benutzt

Kanadier:

  • Offenes Kanu
  • Antrieb durch Stechpaddeln, die Spaten-ähnlich aufgebaut sind
  • Der Kanufahrer kann sitzend oder kniend Platz nehmen
  • Sie sind breiter und können somit durch ihre Kippstabilität mehr Ballast tragen
  • Es gibt Falt- und Schlauchkanadier, die sich auseinanderbauen beziehungsweise aufblasen lassen und so leichter zu transportieren sind
  • Verdanken ihren Namen nordamerikanischen Indianern

Traditionell werden sie aus Holz gefertigt. Heute sind jedoch Boote aus Polyethylen, glasfaserverstärktem Kunststoff, Aluminium oder PVC weit verbreitet.
Das Fahren einer Kanutour wird im Jargon des Kanusports auch als Kanuwandern bezeichnet.

Welche Kanus sind für eine Kanufahrt am besten geeignet?

Bei Kanutouren in ruhigen Gewässern kann der Kanute zwischen Kajak und Kanadier frei entscheiden. In Deutschland werden Kajaks bevorzugt, während in Nordamerika oder Skandinavien meist mit Kanadiern gefahren wird. Diese können mehr transportieren, was in den abgeschiedenen Gewässern dieser Gegenden ein Vorteil ist.

Voraussetzungen für den Antritt einer Kanutour

Kanutour-Gewässer
©shutterstock – g-stockstudio

Wie beim Ausüben aller Sportarten, sollte eine gute körperliche Verfassung Grundvoraussetzung sein. Kanufahrten verlangen Kraft, Koordination und Ausdauer. Des Weiteren ist auf Folgendes zu achten:

  • Beim Paddeln werden insbesondere die Arme belastet, die die Kraft des Wassers auf den Oberkörper abgeben. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass in diesen Bereichen keine Vorerkrankungen bestehen. Sollte dies dennoch der Fall sein, ist vor dem Antritt einer Kanutour ein Arzt zu Rate zu ziehen.
  • Kanufahrer müssen sichere Schwimmer sein, sollten sie doch einmal von Bord gehen.
  • Kanuwandern ist nicht für blutige Anfänger geeignet. Die Grundtechniken des Kanufahrens sollten beherrscht werden. Zum Erlernen dieser bietet sich ein mehrtägiger Einsteigerkurs an, der von allen Kanu-Vereinen angeboten wird. Eine Liste aller Vereine in Deutschland finden Sie auf der Website des Deutschen Kanu-Verbands. Unerfahrene Sportler sollten ihre erste Tour zudem nicht auf eigene Faust unternehmen, sondern an einer geführten Tour teilnehmen.

Fahrten im Wildwasser ausgenommen ist Kanufahren ein sicherer Sport, der von Kindern bis hin zu Sportlern im Seniorenalter ausgeübt werden kann. Da Kinder jedoch ihr eigenes Können und eventuelle Risiken häufig schlechter einschätzen können, sollten sie nur in Begleitung Erwachsener auf eine geführte Kanutour gehen.

Ausrüstung zum Kanufahren

Für den Kanusport wird folgende Ausrüstung benötigt:

  • Wasserdichte Schutzkleidung, die vor Kälte und Sonne schützt
  • Eine Schwimmweste
  • Kopfschutz in Form eines Helms
  • Ein wasserdichter Drybag zum Verstauen von Handy, Karten beziehungsweise GPS-Gerät

Ein solcher Drybag kann auch in Kajaks mitgeführt werden, wo er am bestem im Fußraum verstaut wird. Da Kanuten während der Fahrt mit dem Paddeln beschäftigt sind, ist sowieso ein Halt nötig, um den weiteren Streckenverlauf zu überprüfen.

Die Mitnahme des Handys dient der eigenen Sicherheit, weil Sie mit ihm im Notfall Hilfe holen können. Dass Sie ein Boot samt Paddel benötigen, versteht sich von selber. Diese werden bei geführten Fahrten häufig gestellt oder können gemietet werden.

Eine europaweite Übersicht von Anbietern finden Sie auf der Website des Kanu Magazins. Eine nach Postleitzahlen sortierte Liste von Kanu-Händlern gibt es auf der Website des Deutschen Kanu-Verbands.

So planen Sie eine Kanutour richtig

Bevor es losgeht, ist bei der Auswahl des Gewässers und der Tourenstrecke einiges zu beachten. Prinzipiell gestattet das Wassergesetz Deutschlands zwar das Kanufahren in allen natürlichen Gewässern, dennoch gelten für manche Flussabschnitte besondere Befahrungsregeln bezüglich folgender Aspekte:

  • Mindestwasserstand
  • Gefahrenstellen
  • Naturschutzregulierungen

Es ist die Pflicht jedes Kanufahrers, die jeweiligen Befahrungsregeln einzuhalten. Eine Übersicht über die Eigenschaften bestimmter Gewässer geben die Gewässerführer und Gewässerkarten des Kanu-Verlags. GPS-Daten für viele Strecken innerhalb und außerhalb Deutschlands finden Sie auf  gps.tour.info. Darüber hinaus gibt es einen Online-Pegeldienst, abrufbar über die Website des Deutschen Kanu-Vereins.

Außerdem ist bei der Gestaltung der Kanutour Folgendes wichtig:

  • Geeignete Ein- und Aussetzstellen ausfindig machen
  • Erkundigen, wie diese Stelle zu erreichen sind und wie das Boot dorthin transportiert werden kann
  • Bei längeren Touren sollten genügend Möglichkeiten zur Rast vorhanden sein, bei denen auch für das leibliche Wohl gesorgt wird (beispielsweise Gaststätten)
  • Bei mehrtägigem Touren sind Übernachtungsmöglichkeiten in der Nähe zu buchen
  • Und natürlich sollte nicht nur das Gewässer, sondern auch die Umgebung interessant sein und Sehenswürdigkeiten bieten, die zu Fuß leicht zu erreichen sind.

Beispieltour: Mit Kanus über die Mecklenburgische Seenplatte

Die Mecklenburgische Seenplatte gehört zu den beliebtesten Kanustrecken Deutschlands. Bei dieser Tour werden insgesamt vier Seen durchquert: Der Rätz-, Gobenow-, Labus- und Vilzsee. Diese sind per Kanäle verbunden. Dabei werden 17 Kilometer zurückgelegt, was in etwa einer reinen Fahrtdauer von viereinhalb Stunden entspricht. Diese Tour ist auch für Anfänger geeignet und birgt keine Gefahrenstellen.

Der Ausgangspunkt ist die Kanustation des Campingplatzes Fleether Mühle. Von dort aus fahren Sie wie folgt:

  • Von der Kanustation aus den Rätzsee Richtung Norden überqueren.
  • Nach 4,5 Kilometern auf der rechten Seite in den Verbindungskanal Drosedower Bek einbiegen. Die Erlenbrüche dort bieten besonders bei niedrigem Wasserstand ein malerisches Bild.
  • Nach einem weiteren Kilometer eine Holzbrücke unterqueren und dem Kanal in den Gobenowsee folgen.
  • Am linken Ufer entlang fahren. Dort befindet sich ein Campingplatz mit Möglichkeit zur Rast.
  • Anschließend vom Campingplatz aus den See überqueren und in die etwas versteckte Dollbek einfahren.
  • Diese mündet in den Labussee. An dessen Eingang befindet sich die Fischerei Canow, die einen Abstecher wert ist.
  • Den Labussee Richtung Westen durchqueren und in den Verbindungskanal zum Vilzsee fahren.
  • Dort rechts halten und die Straßenbrücke durchqueren.
  • Auf diesem Weg gelangen Sie zurück zum Ausgangspunkt.

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