Urlaub auf dem Ponyhof war gestern – wie wäre es mit einem Ausritt auf einem Kamel? Der Gedanke an das Reiten eines so exotischen Tiers verursacht schnell Herzklopfen. Schließlich sitzen Sie nicht fest im Sattel, sondern zwischen zwei Höckern.

Und wenn man einmal oben auf einem Kamel sitzt, scheint es plötzlich viel größer. Dabei sind die Beine doch so dünn! Doch spätestens als das Wüstenschiff sich gemächlich in Bewegung setzt, werden die rhythmischen Schaukelbewegungen Ihre anfängliche Skepsis vertreiben und Sie können die Landschaft genießen.

Diese besteht allerdings nicht zwangsweise aus einer Wüste. Auch in Deutschland gibt es Kamelfarmen, die Kamelreiten anbieten.

Voraussetzungen für das Kamelreiten

Abgesehen vom therapeutischen Reiten auf Kamelen gelten für private Ausritte folgende Voraussetzungen:

  • eine gute körperliche Verfassung, keine Rückenleiden.
  • Kinder ab dem Alter von sechs Jahren können allein auf einem Kamel sitzen, kleinere Kinder nehmen bei einem Elternteil Platz.
  • Erwachsene sollten nicht mehr als 120 Kilogramm wiegen.
  • am besten trägt man bequeme Kleidung, ein Schutzhelm kann optional getragen werden.

Ansonsten bedarf es keinerlei Fähigkeiten oder Vorkenntnisse. So ist es beispielsweise kein Nachteil, wenn man selbst auf einem Pferd noch nie geritten ist.

Kamelreiten als Therapie

Sitzungen auf dem Rücken eines Kamels können bei der Therapie von bestimmten Leiden unterstützend eingesetzt werden. Zu diesen Leiden zählen:

  • Schlaganfälle, die eine halbseitige Lähmung nach sich ziehen
  • Multiple Sklerose
  • Alzheimer im Anfangsstadium
  • Schädel-Hirn-Traumata, die Gleichgewichtsstörungen und Bewusstseinsstörungen zur Folge haben
  • Bestimmte neurologische und sensorische Erkrankungen

Zunächst wird der Patient langsam mit dem fremden Tier vertraut gemacht. In der Therapie kommen meist Trampeltiere zum Einsatz, da der Patient zwischen den zwei Höckern mehr Halt findet. Die sanft schaukelnden Bewegungen sowie der Umgang mit den Tieren wirken sich in vielfältiger Weise auf den Patienten aus:

  • das gelassene Naturell färbt auf den Menschen ab, der Kontakt zum Tier spendet Sicherheit und Geborgenheit.
  • der Rhythmus des Kamels beim Laufen, der aufgrund der Schwielensohlen viel sanfter und federnder ist als bei den Hufen eines Pferds, stimuliert beide Körperhälften gleichermaßen von Kopf bis Fuß; dies hat einen positiven Effekt auf die Körpersymmetrie des Patienten und unterstützt den Gehprozess nachhaltig.

Die Kameltherapie wird von den Krankenkassen nicht übernommen.

Kamelreiten in Ägypten

Obwohl Kamele ursprünglich nicht in Afrika beheimatet waren, genießen sie dort heutzutage eine große Beliebtheit. Wenn Sie einen Urlaub nach Ägypten planen, ist ein Kamelritt nahezu Pflichtprogramm. Dabei stehen Ihnen zwei Möglichkeiten zur Auswahl:

  • Ein ein- oder mehrstündiger Ausritt vor der einzigartigen Kulisse der Pyramiden
  • Eine Kamelsafari, bei der Sie mehrere Tage lang durch die Wüste reiten und in einem Zelt unterhalb des endlosen Sternenhimmels schlafen
  • Zugegeben – für die Kamelsafari sollten Sie schon ein abenteuerlustiges Naturell haben, wobei selbst Kinder auf Safaris mitgenommen werden können.

Wenn Sie an einer der beiden Möglichkeiten interessiert sind, ist das Erlebnis am besten schon im Voraus von zuhause aus zu buchen. Vor Ort werden Sie von Anbietern erschlagen und leider sind nicht alle davon seriös.

Bei der Buchung hilft das Reisebüro weiter. Auf diese Weise können Sie Geld sparen und die überteuerten Angebote der Touristenregionen umgehen. Ein mehrstündiger Ausritt ist so schon ab 20 Euro pro Person erhältlich.

Kamele: Wüstenschiffe aus Asien

Kamele sind Paarhufer aus der Familie der Säugetiere. Unterschieden werden dabei folgende Untergattungen:

Altweltkamele:

  • Dromedar mit nur einem Höcker
  • Trampeltier mit zwei Höckern

Neuweltkamele:

  • Guanako
  • Lama
  • Alpaka
  • Vikunja

Wird umgangssprachlich von Kamelen gesprochen, so sind meist die Altweltkamele gemeint. Diese zeichnen sich durch die folgenden Eigenschaften aus:

  • kleiner Kopf und geschwungener Hals
  • dünne Beine, die das satte Gewicht von 300 bis 700 Kilogramm tragen
  • einer Höhe bis zu 2,3 Metern
  • ähnlich den Wiederkäuern, haben sie einen Magen mit mehreren Kammern und ernähren sich pflanzlich.
  • Kamele sind Schwielensohler und tragen deswegen keine Hufschalen
  • Altweltkamele stammen aus Asien: Dromedare kommen ursprünglich aus den arabischen Ländern, Trampeltiere aus Zentralasien.
  • Als Nutztiere wurden sie darüber hinaus  in Nordafrika und Australien verbreitet.

Geritten wurden diese Tiere schon immer. Das ist bei Neuweltkamelen nicht möglich, da diese zu leicht und schwach sind. Für Ausritte auf Kamelen wird nicht zwangsweise ein Sattel benötigt. Kommt ein Sattel zum Einsatz, hat dieser nichts gemein mit einem Pferdesattel, sondern besteht aus einer Art Holzgestell.

Zum Aufstieg legen sich die Kamele ab, so dass der Reiter problemlos auf ihrem Rücken Platz nehmen kann. Zwar sind sie nicht in Europa heimisch und leben nur in Zoos und Tierparks, dennoch gibt es in Deutschland Kamelfarmen, die Kamele für Touren zur Verfügung stellen.

Das Geheimnis der Kamelhöcker

Obwohl es sich entgegen der landläufigen Meinung bei den Höckern nicht um Wasser-, sondern um Fettspeicher handelt, sind Kamele körperlich optimal an die Bedingungen in trockenen Regionen wie Wüsten oder Steppen angepasst.

Sie können mehr Wasser aufnehmen und speichern als andere Tiere. Dennoch kommen sie auch mit den eher kalten Temperaturen hierzulande zurecht.

Kamelrennen: Eine umstrittene Tradition

Die Wüstenpferde können bis zu 64 Kilometer pro Stunde schnell laufen. Kamelrennen werden in arabischen Ländern sowie in Australien als Sport ähnlich dem Pferderennen praktiziert. In Saudi-Arabien genießt diese Rennen sogar den Status eines Nationalsports. Dabei geht es nicht nur um ein lukratives Geschäft, sondern auch um die Ehre der Scheichs.

Als Sportart ist es jedoch stark umstritten, da die Tiere in diesen Ländern von kleinen Jungen, die aus Armut dazu gezwungen sind, geritten werden. Nicht nur mögliche Stürze machen diesen Sport zu einer Gefahr für die Kinder, die aufgrund ihres geringen Körpergewichts beliebte Jockeys sind.

Mittlerweile sind aus diesem Grund solche Rennen mit Kindern als Jockey in Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten verboten. Dort arbeitet man daran, die Jungen durch Hightech-Roboter zu ersetzen. In Deutschland und anderen westlichen Ländern finden Kamelrennen nur in unregelmäßigen Abständen als Event statt. Sie werden dann von erwachsenen Reitern geritten und nicht von Kindern.

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