Stellen Sie sich vor, sie stehen im Hochseilgarten auf einer hölzernen Plattform. Vor Ihnen führen schmale, wacklige Holzbalken zum nächsten Baum, wo die anderen Teammitglieder ihnen aufmunternd zurufen. Links und rechts der Hängebrücke verlaufen gespannte Seile. Beim Blick nach unten, fühlen sie, wie sich der Herzschlag beschleunigt.

Sie werfen einen Blick nach oben zum stabilen Sicherungsseil, dass sie im Notfall auffangen wird. Dann nehmen Sie ihren ganzen Mut zusammen, fassen die Seile und betreten die Brücke. Die Holzbalken schwanken unter ihren Schritten, nach einer endlos scheinenden Minute erreichen Sie sicher die andere Plattform. Erleichtert atmen sie auf und blicken stolz nach unten. Sie haben es tatsächlich geschafft, ihre Angst zu überwinden.

In Seilgarten gehen Menschen in schwindelerregenden Höhen an ihre Grenzen, meistern alleine oder im Team verschiedene Hindernisse und haben eine Menge Spaß. Die Sicherungssysteme und die Betreuung durch qualifizierte Guides sorgen für die nötige Sicherheit, damit trotz der großen Höhen nichts passiert.

Das Erlebnis, sich seiner Angst zu stellen und sie zu überwinden, stärkt das Selbstvertrauen und hilft dadurch sich den alltäglichen Problemen zu stellen. Gerade für Menschen mit Höhenangst ist ein Besuch des Hochseilgartens empfehlenswert, denn dort lernen Betroffene, sich gemeinsam ihren Ängsten Schritt für Schritt zu stellen, ohne unter Druck gesetzt zu werden.

Doch wie unterscheiden sich Hochseilgärten von Kletterwäldern? Wie steht es mit der Sicherheit? Welche Voraussetzungen gibt es?

Wie unterscheiden sich Hochseilgärten von Kletterwäldern?

Ein Seilgarten besteht aus einem Parcours, auf dem die Besucher verschiedene Kletter- und Geschicklichkeitsübungen in großer Höhe absolvieren. Doch nicht jeder Seilgarten gleicht dem anderen. In Kletterwäldern absolvieren die Teilnehmer den Parcours auf und zwischen hohen Bäumen. Im Gegensatz dazu werden freistehende Klettergärten vollständig aus Balken und Seilen gebaut. Lebende Bäume sind selten in solche Anlagen integriert.

Die meisten Hochseilgärten stellen den Besuchern mehrere Schwierigkeitsgrade zur Auswahl. Die leichten Übungen sind weniger anstrengend und erreichen niedrigere Höhen als der mittlere sowie schwierige Parcours. Aber nicht nur für die Kletterer ist der Besuch ein Erlebnis. Auch Zuschauer sind gern gesehene Gäste im Kletterpark. Von unten beobachten sie gespannt, wie sich die Teilnehmer über wacklige Hindernisse bewegen und von einem Baum über ein schmales Seil zum Nächsten klettern.

Abhängig von der Anlage dürfen die Besucher den Parcours alleine oder in Gruppen absolvieren. Beim selbstständigen Klettern sorgt ein Schienensystem für ihre Sicherheit. Sobald Sie den Boden verlassen, klinken Sie sich mit dem Karabiner ein und entfernen die Sicherung erst nach Abschluss der letzten Übung, wenn Sie wieder auf dem Boden stehen.

Gleichzeitig überwachen Guides die Kletteranlage und helfen ihnen bei Fragen und Problemen. In einigen Kletterparks  betreut ein Trainer die Gruppe während des gesamten Parcours.

Voraussetzungen für die Nutzung der Hochseilgärten

  • Das Mindestalter beträgt 18 Jahre
  • Von 14 bis 17 Jahren nur mit Einverständniserklärung des Erziehungsberechtigten
  • Mindestgröße zwischen 1,50 und 1,60 Meter
  • Keine körperlichen Einschränkungen am Bewegungsapparat

Um in Hochseilgärten einen Parcours zu meistern, müssen die Teilnehmer nicht besonders sportlich sein. Mitmachen kann jeder mit einer durchschnittlichen Fitness. Schließlich stehen der Spaß am kniffligen Parcours und die Überwindung der eigenen Ängste im Vordergrund statt sportlicher Höchstleistungen. Bei Rückenbeschwerden und anderen gesundheitlichen Problemen sollten Sie vor der Teilnahme mit einem Arzt Rücksprache halten.

Empfohlene Kleidung und Ausrüstung für den Hochseilgarten

  • Bequeme oder sportliche Freizeitkleidung
  • Geschlossene Schuhe mit Profilsohle, z.B. Sportschuhe, Sneakers
  • Regenjacke für schlechtes Wetter
  • Haargummi bei langen Haaren

Eine vollständige Kletterausrüstung (Helm, Klettergurt, Seile, Karabiner und ggf. Handschuhe) erhalten Sie Vorort. In der Regel ist die Leihgebühr bereits im Eintrittspreis enthalten.

Ich habe Höhenangst. Darf ich trotzdem teilnehmen?

Natürlich dürfen auch Menschen mit Höhenangst den Parcours im Kletterwald absolvieren. Für Betroffene wird dieses Erlebnis zu einer besonderen Herausforderung, bei der sie nicht nur ihre eigenen Grenzen herausfinden, sondern auch Ängste überwinden. Wenn trotzdem eine Übung zu viel Überwindung kostet, können Sie jederzeit eine kurze Pause einlegen und am Boden auf die Teilnehmer Ihrer Gruppe warten.

Die Höhen variieren in jedem Hochseilpark zwischen den verschiedenen Parcours zwischen 3 und 20 Meter. Einige Hochseilgärten bieten spezielle Kurse für Menschen mit Höhenangst an, in denen sie lernen, Schritt für Schritt die Angst abzubauen, ohne dass sie jemand unter Druck setzt.

Niedrige Kletterrouten für Kinder

Für Kinder gibt es einen separaten Parcours mit abwechslungsreichen Übungen. Sie klettern in geringeren Höhen als Erwachsene, schließlich soll immer der Spaß im Mittelpunkt des Besuchs stehen. Auf diesem Parcours erfolgt die Sicherung meist über ein durchlaufendes Schienensystem, in den ein Erwachsener oder Guide den Karabiner am Anfang einhängt, und die Kinder bis zum Ende sichert.

Einige Anlagen bieten für Kinder auch einen Niedrigseilparcours an, bei dem die Kinder in geringer Höhe über Hindernisse klettern dürfen. Im waldpädagogischen Klettergarten absolvieren Kinder nicht nur Geschicklichkeitsübungen, sondern fördern soziale Kompetenzen wie Gruppenarbeit, Vertrauen und die Kommunikation zwischen den Kindern. Sogenannte Höhenlehrpfade, die in manchen Klettergärten integriert sind, vermitteln Wissen über einheimische Pflanze und Tiere.

Teamgeist, Körperbeherrschung und Selbstvertrauen

Im Hochseilgarten müssen Sie abwechslungsreiche Übungen in unterschiedlichen Höhen meistern. Wenn es vor den eigenen Füßen 15 Meter in die Tiefe geht, kostet es Überwindung und Mut, die wackligen Balken zu betreten oder sich zum tiefer gelegenen Baum abzuseilen. Aber die Herausforderung lohnt sich.

Denn die Konfrontation mit der Höhe und die Überwindung der Angst bzw. des mulmigen Gefühls lassen sie mit mehr Selbstvertrauen den Parcours am Ende verlassen. Ebenso stärkt es den Teamgeist innerhalb der Gruppe, weshalb ein Kletterpark ein beliebtes Ziel für den Betriebsausflug darstellt.

Hochseilgarten-Klettern
©shutterstock – Dmytro Zinkevych

Sicherheit im Hochseilgarten

Die Sicherheit steht im Hochseilgarten immer an erster Stelle. Dabei unterscheidet Man zwischen mehreren Sicherungssystemen:

Selbstsicherung mit Karabiner Bei dieser Methode haken sich die Parkbesucher vor jeder Übung in das Sicherungssystem ein. Dabei müssen sie selbst auf die richtige Handhabung achten, die ihnen im Rahmen der Einführung der Guide erklärt. Ein Fehler im Umgang mit der Kletterausrüstung kann zu schlimmstenfalls zu gefährlichen Unfällen führen.

Permanente Sicherung Im Vergleich mit der normalen Selbstsicherung erhalten Sie durch eine permanente Sicherung eine höhere Sicherheit. Zwar müssen Sie sich bei dieser Methode ebenfalls selbst sichern, doch lässt sich ein Karabiner nur dann aushaken, wenn der Zweite bereits im Sicherungsseil eingehakt ist. Dieses System verwenden viele Hochseilgärten und Kletterwälder.

Sicherung am durchlaufenden Schienensystem Das höchste Maß an Sicherheit bietet die Sicherung am durchlaufenden Schienensystem. Hierbei haken Sie sich ein, sobald Sie den Boden verlassen und erst wieder aus, wenn der Parcours abgeschlossen ist. Über dem gesamten Parcours verläuft die sogenannte „Lebenslinie“, mit der die Teilnehmer im Hochseilgarten verbunden sind.

Befindet sie sich auf einer Höhe von 2,0 bis 2,30 Meter, spricht man von einer Lebenslinie außer Reichweite. Bei dieser Methode konzentrieren sich die Teilnehmer auf die Übungen, ohne sich um die Sicherung oder das Seil kümmern zu müssen.

Sicherheitsvorschriften im Klettergarten

Nach dem Eintritt in den Hochseilgarten erklärt ein erfahrener Trainer den Teilnehmern die Sicherheitsvorschriften und Verhaltensweisen. Je nach Kletterwald lernen Sie die Handhabung zuerst an einem kleinen Übungsparcours. Abhängig von dem Besucherandrang dauert dies zwischen 20 und 30 Minuten. Aufgrund dessen sollten Besucher für den Besuch ausreichend Zeit einplanen. Im Anschluss an die Einführung geht es sofort mit dem Parcours los.

Während der Übungen im Hochseilgarten werden die Teilnehmer von einem erfahrenen Guide begleitet, der auf die Sicherheit achtet, ihnen bei Fragen und Problemen jederzeit zur Verfügung steht. Insbesondere bei den schwierigen Übungen im Hochseilgarten kann es schnell passieren, dass ein Teilnehmer das Gleichgewicht verliert und nur noch von dem Klettergurt und den Sicherheitsseilen gehalten wird.

Aber keine Sorge, auch für diesen Fall ist vorgesorgt. Wenn es ein Teilnehmer nicht mehr zurück auf den Parcours schafft, hilft ihm der Trainer mit speziellen Rettungssystemen wieder auf die Plattform oder seilt ihn sicher zu Boden ab. Anschließend dürfen Sie den Parcours normal fortsetzen.

Neben der Betreuung und Kletterausrüstung muss jeder Kletterwald sowie freistehende Hochseilgarten die geltenden Sicherheitsstandards erfüllen und die Anlage sowie die Ausrüstung regelmäßig warten. Diese Faktoren machen den Besuch des Hochseilgartens zu einem sicheren Erlebnis.